Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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191 fährdeten Lebensunterhalt zu gewinnen. Hier wurde nun den Juden das Evangelium von Haus zu Haus gepredigt; die beste Gelegenheit aber, den Erlöser in ihrer Mitte zu preisen, bot sich in ihrer eigenen Synagoge am Sabbath dar, da es dem Missionar gestattet ward, sie 2 Stunden lang anzureden, während der Rabbi des Platzes gegen die dringenden Vorstellungen seiner Gemeinde, das vorgebrachte Zeugniß zu widerlegen, taub blieb. Die freundliche Aufnahme, welche der Missionar bei der ganzen Gemeinde fand, und das tiefe Interesse, das manche Einzelne an den Tag legten, rechtfertigten die Hoffnung, daß dieser Besuch nicht vergeblich geschehn sein werde. Der obige Bericht wird aber zugleich den traurigen Zustand der Juden des Inneren dieses Landes darstellen. Die der Hauptstadt Tunis selbst sind ganz frei von Verfolgungen und bilden einen so wichtigen und geschlossenen Körper, daß sie alle Handelsunternehmungen beherrschen und einen Einfluß besitzen, der zu oft zur Erregung des Aergers und des Neides der übrigen Klaffen der Bevölkerung, und besonders der Mauren, ihrer früheren Bedrücker angewandt wird. Wäre dieser Einfluß von einer direkt moralischen und erhebenden Richtung, so würde der Nutzen für die eingeborene Bevölkerung sehr beträchtlich sein; leider aber beweisen die betrügerischen und unehrenhaften Handlungen der Reichen und die Verworfenheit der Armen zusammen mit einer beständig wachsenden Mißachtung der Religion auf allen Seiten, daß, wenn diesem Lande noch eine bessere Zukunft bevorsteht, die Juden, wie sie gegenwärtig sind, nicht zur Herbeiführung derselben beitragen werden. Ihre Sabbathe und Feste werden meistens mit Trinken und Spielen zugebracht, manchmal endigen sie mit Schlägereien. Zwei tunesische Juden wurden im Sommer zu Marseilles guillotinirt, und zwar um eines Mordes willen, der von den barbarischsten Umständen begleitet war. Auch sind Fälle von Erstechungen vorgekommen, und ein junger Jude, der Sohn eines Rabbi, starb an Gift, das er mit eigener Hand bereitet hatte. Eine Besserung dieser Zustände kann so lange nicht erwartet werden, als es die Juden hartnäckig verweigern, sich mit den Schriften der Propheten und dem N. Testamente bekannt machen zu lassen. Die fast unglaubliche Abneigung der tunesischen Juden gegen den Gebrauch des Wortes Gottes ist wieder durch die äußerst geringe Cirkulation von heiligen Schriften bestätigt worden. Ein Buchhändler, ein Rabbi, fand seine Schriften ganz unverkäuflich und kehrte nach Europa zurück, wo er sich an Stelle derselben einen Vorrath von Spielkarten forderte. Das weibliche Geschlecht wird jüdischerseits von dem Rabbinismus sehr verachtet. Um so mehr wissen die Töchter Israels den Geist der Liebe und der Freundlichkeit bei den christlichen Lehrern zu schätzen, und die Gleichgültigkeit, mit welcher ihre Eltern ihren