Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2554541-2554805-2554812--06081-2562057- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
190 kunft wird veranstaltet und die ganze Nacht geht in Fragen und Antworten und in ernsten Erwägungen hin und her dahin. Dieser nachdenkliche Jude ist am letzten Sonntage des vorigen Jahres getauft worden. Misssonsschulen gedeihen in Algier wohl. Unter den 115 jüdischen Kindern der Mädchenschule befindet sich auch eine Taubstumme, die aber so gut begabt ist, daß sie Alles, was sie gelehrt wird, wohl begreift. Wenn die Bibel' vorgelesen wird, erhebt sie beim Namen Gottes ihre Augen in die Höhe, legt ihre kleinen Finger beim Namen Christi über das Kreuz und streckt ihre beiden Arme aus, um zu zeigen, wie er die Menschen zur Buße einladet. Der Lehrer, in dessen Klasse sie sitzt, bemerkt: „welch' eine Quelle der Ermuthigung ist dieses liebe Kind denen, die an der Errettung der Seelen arbeiten!" Auch eine Erwachsenen-Schule hat die Algierische Mission eingerichtet. 1870 betrug die Zahl der Besucher 40; 1871 fast das Dreifache, 114. Im Jahre 1872 mußte ein zweiter Lehrer angestellt werden, denn die Zahl der Besucher war auf 259 gewachsen, darunter 135 Juden, 61 Araber, 34 Spanier und 29 Franzosen, manche derselben über 50, andere unter 20 Jahre alt. Da die beiden Lehrer außer Stande waren, diese alle zu besorgen, so haben sie sich die Hilfe der hierin einander ablösenden Tageslehrer verschafft. Höchst interessant ist es, so viele Männer verschiedener Ratzen, Klassen und Altersstufen nebeneinander lesen und schreiben lernen zu sehn, und sie in ihrer besonderen Sprache Verse aus dem N. Testament vorlesen zu hören. Die Verhältnisse in Tunis sind höchst traurige. Als der Missionar das letzte Mal die Hauptstadt der Westgrenze betrat, war er über das verlassene Aussehn des Platzes erschrocken. Unter dem Schutte ihrer verfallenen Häuser und in den Hecken rings um die Stadt sah er Ueberbleibsel von menschlichen Wesen, die dem Hunger, der Seuche oder dem Schwerte zur Beute verfallen waren. Die jüdische Bevölkerung, vorher ganz beträchtlich, war auf etwa 150 Seelen geschmolzen, da viele nach der benachbarten Provinz Algeriens ausgewandert warm, um besseren Schutz und einen weniger ge-