Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Kern für eine christliche Judengemeinde in der Stadt ihrer Väter zu bilden. Daher werden viele Proselyten in allerlei Handwerken unterrichtet und auch die jüdischen Frauen herangezogen, um sich durch die Arbeit ihrer Hände ernähren zu lernen. Bisher hatte man besonders durch die Verfertigung von Oelbaumholzsachen nicht wenigen einen angemessenen Verdienst zu verschaffen gesucht; der Verkauf derselben wird jedoch allmählich geringer und man sieht sich daher nach anderen Beschäftigungsarten für die Genannten um. Unter Anderem haben die Proselyten jene beiden Modelle angefertigt, welche Herr Schick auf die Wiener Weltausstellung geschickt hat, davon das eine die Omars-Moschee und das andere den ganzen Tempelplatz darstellt. Gewiß wird es aus derartigen Beispielen erhellen, wie wohlthätig die ganze Missionsthätigkeit in der heiligen Stadt wirken muß. Das vergangene Jahr war durch eine besonders starke Einwanderung von Juden in Jerusalem ausgezeichnet. Unter den neuen Ankömmlingen scheint es Vielen wohl zu gehen, manche Familien sind wohlhabend. Eine Ursache ist das neue Gesetz, welches die russische Armee auf den preußischen Fuß gesetzt hat und nun auch zum ersten Male die Juden zum Dienst nöthigt. Das verleitet alle Juden, die es ausführen können, aus ihrem Lande zu flüchten. Man sagt 1000 Aschkenasim (deutschsprechende Juden) sollen in Jerusalem aus den russischen Häfen angekommen sein. Fortwährend entstehen Häuser außerhalb der Stadt und bilden ein neues Jerusalem. Bekanntlich sind auch Ingenieure, mit den Vorarbeiten für einen Hafen in Jaffa und eine Eisenbahn von dort nach Jerusalem beschäftigt. Die Judenschast in Damaskus weist ähnliche Verhältnisse wie die in Constantinopel auf. Versuche der israelitischen Alliance daselbst neben den Talmudschulen, welche den Kindern allein rabbinisches Wissen beizubringen die Aufgabe haben, andere einzurichten, sind fehlgeschlagen. Die Missionsschulen haben daher einen schweren Stand. Das geringe Verständniß für geistige Bildung und Förderung erschwert natürlich auch das Werk der Mission. Trotzdem ist die Frage nach der Seelen Seligkeit auch dort in Einzelnen erwacht. Ein jüdischer Arzt z. B. hat für seine Verbindung mit den Missionaren sogar