Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554805-2554812--06078-2562054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gegnete ihm der Colporteur in dem jüdischen Viertel und begann mit ihm ein Gespräche Der Doktor sagte: „Warte, du unwissender Mensch, ich werde dich bald zum Schweigen bringen!" Unerschrocken nannte ihm der Colporteur jedoch einige Schriststellen, welche bewiesen, daß Jesus in der bestimmten Zeit kam, und daß er that, was der Messias zu thun hatte. Anstatt ein vernünftiges Wort zu erwiedern, ward der Doktor wüthend und sagte: „Ich kann an Jesus nicht glauben, ich werde die Beweise nicht prüfen, sondern will lieber in die Hölle fahren als an ihn glauben. Wenn er der Messias ist, wenn er der Sohn Gottes ist, dann lass er mich tödten." Dieses Wort wurde dem Missionar Eppstein am Abend berichtet und er ward von solcher Blasphemie so ergriffen, daß er beschloß, mit dem Manne am nächsten Tage zu sprechen. Um sich einer Zusammenkunft zu vergewissern, sandte er den Colporteur zu dem Doktor, um mit demselben die ihm geeignete Stunde zu besprechen; wie groß war jedoch seine Bestürzung, als der Colporteur zurückkam und sagte, daß der Doktor um 9 Uhr des Abends an demselben Tage gestorben sei, an dem er das Gericht über sich selbst herabgeschworen hatte, und daß eben sein Begräbniß stattfinden solle. So viel aus Smyrna. Wir wenden uns kurz nach Jerusalem, dessen wir ja häufiger in unserem Blatte Erwähnung thun. In der heiligen Stadt wohnen 11 —12000 Juden. Die Missionsarbeit unter denselben ist keine erfolglose; bis zum Jahre 1872 einschließlich hat sie 259 Glieder des Volkes Israel durch die Taufe in die Kirche eingeführt. Eine besonders reife Frucht derselben, der Bibelvorleser Joseph Paul Stern, ist während des Jahres heimgegangen; über denselben hoffen wir Ausführlicheres demnächst zu bringen. Die Jerusalemer Mission richtet ihr Hauptaugenmerk darauf, diejenigen, welche zu Christo kommen, auch zu bürgerlicher Selbstständigkeit zu führen. Je mehr die Jerusalemer Judenschaft eine fluktuirende Bevölkerung bildet, je mehr sie gewöhnt ist, statt nützlich zu arbeiten, von den Wohlthaten der Judenschaft aller Länder zu leben, desto wichtiger ist es, die Bekehrten auch zu nützlichen Gliedern der Gesellschaft zu machen und aus ihnen einen festen