Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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eine große Auflegung unter den Griechen. In Wuth und unter Verwünschungen strömten sie aus allen Theilen der Stadt zu der Cäthedrale und baten den Patriarchen, das Prozessionskreuz zu ergreifen und sich an ihre Spitze zu stellen, da sie entschlossen wären gegen die Juden zu ziehen und sie zu vernichten, nachdem sie zur Mordthat auch noch Heiligthumsschändung gefügt hätten. Sie wären, so erzählt man sich, zur St. Johanneskirche, die in dem jüdischen Viertel liegt, gegangen und hätten das Heiligthum entweiht, indem sie dasselbe aller seiner Kostbarkeiten beraubt hätten. Der Patriarch verweigerte es jedoch, mit ihnen zu gehn und die Menge, darüber wüthend, nannte ihn einen Judas Jschariot, und, was für dieselbe das Schlimmste von Allem ist, einen Juden. Sie drohte ihn abzusetzen und zu tödten und schleppte ihn wie einen Hund durch die Straßen. Er trug Alles geduldig und versuchte alle unbesonnenen Handlungen zu Widerrathen. Trotzdem machte die wüthende Menge einen ungestümen Angriff auf das jüdische Viertel, wobei sie jedoch tapfer zurückgeschlagen wurde. Diese Demüthigung machte die Griechen ganz rasend, sie schworen Rache und Vertilgung. Der Missionar Eppstein ging in die St. Johanniskirche und fand, daß die ganze Geschichte eine Erfindung wäre. Nur ein Paar Glasscheiben in ihren Schulzimmern, welche eine Synagoge überragten, waren zerbrochen. Auf seinem Heimwege besuchte er den Rabbi, um ihn seiner Sympathie zu versichern, und ihm, wenn sie begehrt würden, seine Dienste anzubieten. Derselbe empfing 'ihn sehr artig und dankbar und bat ihn sich zu bemühen, um die guten Dienste der europäischen Consuln zu erlangen. Hernach nahm der britische Consut die Sache energisch in die Hand, von dem amerikanischen, österreichischen und deutschen wirksam unterstützt. Die Consuln übten ihren Einfluß auf den Pascha aus, der sich zu thätigen Maßregeln genöthigt sah. Während dessen konnten aber die armen Juden ihr Viertel nicht verlassen und viele litten ganz buchstäblich Hunger. Als der Missionar dies erfahren, ging er von einem Ende des jüdischen Viertels bis zum anderen und half den Dürftigsten und am meisten Nothleidenden, in der gewissen Ueberzeugung, daß dieselbe gnädige Vorsehung, die ihn einst in den