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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 11-12 (1873) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
11-12 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Stubenmädchen in dem Gasthause, wo ich logirte, ein Eremplar des Traktats „Maria." Dieses Jahr bediente ich mich wieder desselben Gasthofes. Bei meiner Rückkehr von meinem ersten Gange unter die Juden der Stadt fand ich mein Zimmer mit Blumen. geschmückt, und auf meine Frage an das Mädchen, warum das geschehen wäre, antwortete sie: „ich wollte Ihnen gern danken, denn Sie'sind der Herr, der mir mein Lieblingsbuch schenkte; ich habe es oft gelesen und oft Anderen geliehen, Niemand aber hatte mehr Freude an demselben, als unser alter jüdischer Nachbar. Er lag lange Zeit krank darnieder und war ein großer Dulder. Eines Tags, kurz vor seinem Tode, las ich ihm die Geschichte von dem seligen Ende jener Maria vor; da drückte er mir, es war das letzte Mal, die Hand, und dankte mir unter Freudenthränen." Das Mädchen war, als sie mir das erzählte, selbst tief bewegt, und sie ist der gewissen Ueberzeugung, daß jener alte Sohn Abrahams so selig wie Maria starb und daß er uns beiden einmal im Himmeldanken wird. An demselben Orte aber versicherte mir ein Jude, dessen Lebensberuf ihn fast mit allen Einzelnen in der Stadt bekannt gemacht hatte, daß es kaum eine Familie unter ihnen gäbe, in der nicht eins oder mehrere Glieder bereits getauft wären." In Danzig selbst wurde ein 19 jähriger russischer Jude getauft. Derselbe war einem jüdischen Schankbesitzer ausgefallen, den eine Geschäftsreise von Königsberg nach Rußland an den Wohnort des Jünglings geführt hatte. Letzterem war sein Vater so eben gestorben; der Schankwirth, dem der Jüngling gesiel, bot demselben an, in seine Dienste zu treten und dieser ging darauf ein. Trotz seiner Jugend aber hatte er schon recht ernste Eindrücke empfangen, war sogar in seinem Herzen bereits mehr Christ als Jude und fühlte ein brennendes Verlangen, mehr von der Religion des N. Testamentes zu erfahren. In diesem seinem Gemüthszustande, der ihm allein bekannt war, verrichtete er fleißig die Pflichten seines Berufs, immer hoffend, die Mittel und Wege zu finden, um unter dem Walten der göttlichen ^Vorsehung seinen Zweck zu erreichen. In dieser Herzensunruhe, dem Judenthum, in welchem er erzogen war, entfremdet, von den Lehren des Christenthums wenig wissend, und doch wieder

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