Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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174 Mütter und durch Sparkassen wird dem einen und gemeinsamen Werke noch in anderer Weise zu dienen gesucht. Daß der christliche Eifer erfinderisch macht, zeigt also wohl dieser Blick in die Arbeit der Station London. Richten wir unsere Augen nun nach anderen Orten und Gegenden. Wir übergehen diesmal die übrigen englischen Stationen Liverpool und Manchester, in denen, nur dem Umfange nach geringer, ein ähnliches Werk wie in London geschieht, und lassen uns einige besonders charakteristische Erfahrungen aus der Arbeit, die auf dem Continent Europas, Asiens und Afrikas geschehen ist, mittheilen. Da sehen wir zuerst Holland, in dem die Londoner Mission die Städte Amsterdam und Rotterdam als Stationen besetzt hält. Hier wirkt ein Veteran der Mission, Prediger Pauli, selbst ein Proselyt, durch Eifer, Geschick und Tüchtigkeit ausgezeichnet, neben ihm als Gehilfe der ebenso treffliche Bloch und neuerdings auch Pr. Adler, welcher durch seine ftühere rege Missions-Thätigkeit in den Donaufürstenthümern bekannt ist. Nur einige Züge aus dem dortigen Werke wollen wir hervorheben. Die Missionare erzählen, wie sie hier und da Juden und Jüdinnen treffen, die bereits heimlich im christlichen Glauben stehn und mit Seufzen nur auf die Gelegenheit warten, wo sie ihren Glauben an Christum auch öffentlich bekennen mögen, während sie einstweilen noch vor dem Zerreißen der Familienbande, welches dieses Wagniß unfehlbar mit sich bringt, zurückschrecken. So erzählt Pr. Pauli von dem Heimgange eines Rabbiners, der sich in seiner letzten Stunde noch zu Christo bekannte. Als er sein Ende nahe fühlte, rief er seine Frau an sein Bett heran und sprach zu ihr: „Ich werde bald von dir genommen werden, mein Trost aber ist, daß unsere Trennung nur kurze Zeit dauern wird. Ich weiß, du wirst von meinem Lager nicht weichen, als bis meine Seele aus diesem meinem Leibe befreit ist. Wenn du meine Augen im Tode geschloffen siehst, dann nimm meine Nachtkleider von meiner Brust. Was du da findest, das behalte und gebrauch es." Die liebende Gattin dachte, es wäre sein Bild, aber es war etwas viel Besseres. Sie blieb aber nach jenen Worten ihres Mannes bei ihm, wischte von Zeit zu Zeit den kalten