Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2554541-2554805-2554812--06062-2562038- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
besonderen Gelegenheiten, wie bei Taufen oder an Festtagen, kann man ganze Schaaren von Juden ihre Schritte durch die malerische Lindenallee zu der Kapelle richten sehn. Ihr Verhalten während der Gebete und der Predigt ist gewöhnlich ein ernstes, oft ein andächtiges. Die Bemerkungen, welche sie sich bei ihren Gesprächen mit den forschenden oder bekehrten Juden erlauben, zeigen den verschiedenen Eindruck, welchen diese Gottesdienste auf sie gemacht haben. So sagte neulich ein alter Israelit, der zum ersten Male eine Taufhandlung gesehen hatte, beim Ausgange aus der Kirche ganz laut zu seiner Umgebung: „Ich bewundere diese Weise des Gottesdienstes;" ein anderer erwiederte unmittelbar hierauf: „ja diese Leute (und er wies hierbei auf die Proselyten) sind viel besser als wir, die wir in die Synagoge gehen;" während ein Dritter auf den Pr. Wolkenberg zuging und auf die Katechumenen hinzeigend sagte: „das sind nicht die letzten, bald werden Sie ein ganzes Heer von uns haben." Deutsche Gebetöversammlungen am Freitag Abend haben alsdann auch im vergangenen Jahre wieder den Christ gewordenen Juden die Gelegenheit zur gemeinsamen Erbauung im Glauben geboten; sie sind in der That auch wohl besucht worden. Ein Schriftabschnitt wird hierbei der allgemeinen Betrachtung vorgelegt und Alle dürfen zum Worte kommen. Der Zweck dieser Stunden ist, die jüdischen Christen einander näher zu bringen, damit die Schwachen unter dem gegenseitigen Austausch ihrer Gedanken und Gefühle sich gestärkt, die Zweifelnden sich befestigt, die Niedergeschlagenen getröstet und also sich veranlaßt fühlen möchten, sich selbst zu prüfen, ob sie nur dem Namen nach glauben oder ob sie im Glauben festgewurzelt und gegründet seien. Nach der Auslegung des Abschnittes wird ein Lied gesungen und die Versammlung dann mit Gebet geschloffen. Diese Gebetsvereinigungen sind für viele geistlich gerichtete Israeliten der Quell vieles Trostes und Segens geworden; auch ernstgesinnte Forscher schätzten sie hoch; selbst unbekehrte Juden, die manchmal zufällig des Freitags Abends in das Missions-Zimmer treten, sehn sich, wie es neulich ein sonst wenig gewissenhafter und wohl bekannter Gegner des Evangeliums that, zu dem Eingeständmß ge-