Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 11-12 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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163 die Christen als ihren Heiland und Erlöser anbeteten, so hatte mich doch die scharf ausgeprägte Abneigung und Verachtung, mit welcher man bei den Juden dieses Namens gedachte, bisher abgehalten, das Neue Testament zu lesen. Ein achtbarer jüdischer Freund, mit dem ich in Briefwechsel stand, frug mich aber, ob ich dasselbe je gelesen hätte; wenn nicht, so wolle er mir ernstlich rathen, dies ja zu thun; er schenkte mir auch ein hebräisches Neues Testament, welches er an dem Bibelstand im Crystallpalast erhalten hatte. — Beim Lesen des Evangeliums Matthäi schien sich mir eine neue Welt aufzuthun, denn ich entdeckte in demselben den Schlüssel zu dem verborgenen Schatz des Alten Testaments. Die Beweise Pauli in seinen Briefen schienen mir entscheidend zu sein, besonders die in dem Briefe an die Hebräer. Die levitischen Gebräuche waren für mich nicht länger ohne Sinn. Die dort durch das Hohepriesterthum, die Opfer, die Besprengung des Deckels der Bundeslade, den Sündenbock und i>en Versöhnungstag dargestellten Typen waren mir nun als Vorbilder auf Christum klar geworden, ebenso seine Taufe und sein Predigtamt, seine Kreuzigung, seine Auferstehung, sein Mittleramt für uns beim Vater, und die Vergebung unserer Sünden durch sein stellvertretendes Opfer. Ich erkannte jetzt meine völlige Unkenntniß himmlischer Dinge und fühlte, daß ich ein verlorener Sünder sei. Unser himmlischer Vater weiß am besten, welche inneren Kämpfe ich zu bestehen hatte. Von einem geheimen Mahner in mir getrieben, forschte ich in der Schrift und wurde überzeugt, daß der, von welchem Moses und die Propheten schrieben, der Jesus gewesen sein müsse, den meine Vorfahren verworfen hatten. Ich fühlte mich innerlich vernichtet, aber da ich mit Gott im Gebete rang, erinnerte ich mich, „daß er so die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Mit zerknirschtem Herzen und zerbrochenem Geiste betete ich seitdem im Namen Jesu. Durch sein theures Blut, fühlte ich, hatte ich einen völligen Zugang zum Vater, und, daß seine Gerechtigkeit mir zugerechnet war, daß er meine Sünden an seinem Kreuze getragen. Eine himmlische Freude von dem erquickenden 11*