Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 9-10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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159 wollte es wegwerfen, da ich den Gegenstand, den es /behandelte, eines philosophischen Geistes nicht werth erachtete. Die Neugierde jedoch überwand meine natürliche Antipathie und ich las seinen Inhalt. Ich war erstaunt und bestürzt. Prophezeiung und Erfüllung standen hier in seltsamem Einklang. .Ich fühlte, daß kein Zufall und kein Scharfsinn die Vision des Propheten zu dieser genauen Beschreibung der Scene, die sich hernach auf Golgatha zutrug, gestaltet haben konnten. Ich legte Renan bei Seite und nahm an seiner Statt die Bibel; noch bin ich kein Christ, aber mit Gottes Hilfe hoffe ich es zu werden." Ein anderer Beweis für den gewinnenden Einfluß, der aus dem Lesen eines guten Buches kommen kann, ist die Bekehrung eines englischen Juden. Vor einem Jahre ginger eines Sonnabends Nachmittag über Palestine Place und dachte eine halbe Stunde einmal mit dem Besuche eines Missionars zuzubringen. Pr. Stern versuchte ihn in ein ernstes Gespräch zu ziehen, er war aber dazu nicht geneigt und hörte mit entmuthigender Theilnahmlostgkeit zu. Beim Weggange bot dieser ihm das schöne kleine Büchlein „Philosophie, des Erlösungsplanes" an und bat ihn wiederzukommen, wenn er es gelesen habe. Wenige Wochen darauf besuchte derselbe ihn wieder; sah aber bleich und entstellt aus. Auf Pr. Sterns Frage nach der Ursache seines veränderten Aussehns theilte er ihm mit, daß er gerade von einer sehr gefährlichen Krankheit erstanden wäre. Es waren aber ein Friede und eine Ruhe in seiner Stimme, die es mehr, als es Worte gekonnt, andeuteten, daß die Ruthen der Trübsal ihm Boten der Liebe und Gnade geworden waren. Während seiner schmerzlichen Krankheit hatte er den Glauben schätzen gelernt, den er in gesunden Tagen mißachtet und dem er damals widerstrebt hatte. Das kleine Buch, welches ihm Pr. Stern geliehen, war ihm ein Wegweiser zur Bibel, die Bibel aber zum Thron der Gnade geworden. Er war nun voll Eifers den Heiland öffentlich zu bekennen, dessen heiligen Namen er in seiner Unwissenheit gelästert hatte. Pr. Stern setzte 3 Stunden in der Woche zu seiner Unterweisung fest, und obgleich die Tagesarbeit oft seinen noch schwachen Körper äußerst angriff, unterließ er es nie, zu der genannten Stunde gegenwärtig zu sein. Sonntag, den 7. Juli taufte ihn Pr. Stern auf sein wiederholt ausgesprochenes Verlangen, wenige Wochen später seine 3 Kinder. Seit dem hat er mit vielen Beleidigungen und kleinen Verfolgungen zu kämpfen, aber er leidet Alles geduldig um des Evangelii willen. 2 Missionare befanden sich mit einer Gruppe achtbarer Juden in einem ernsten und ruhigen religiösen Gespräch, als ein bigotter Jude voll Zorns in ihre Mitte sich drängte, und durch seine Gesten und Geschrei die Aufmerksamkeit der Sprecher und der sie Umgebendenabzulenken suchte. „Keiner," so rief er, „wird getauft, sondern