Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 9-10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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156 Juden, welches man den Christen und Heiden gegenüber anwendet. Wir wollen an den einzelnen Personen nichts Halbes, sondern etwas Ganzes wirken. Der vielfach schlechte oder halbe Erfolg an Christen und Heiden hält uns von der Arbeit an ihnen nicht ab. Wollen wir die Gefahr äußeren und heuchlerischen Wesens an die erste Stelle setzen, dann können wir nur mit aller Predigt unter Christen und Heiden aufhören. Die Gefahren sollen wir in jedem Christenwerk nicht vergessen, sollen auch wissen, daß die Hellenen hellenischen, die Juden jüdischen Gefahren auögesetzt sind, aber bekanntlich ist Aller zumal ein Herr. Genau dieselben Waffen, welche A. gegen die Juden Mission wendet, kann man gegen die Arbeit der christlichen Kirche unter den christlichen und heidnischen Völkern kehren. Solche Gründe treffen also Niemand oder Alle. Was heißt es dann aber: Die Juden stehn der christlichen Sphäre nahe? Wenden wir dieses Wort für unsere Christen an, so sagen wir: Die Christen stehn der christlichen Sphäre noch näher, folglich laßt uns aufhören zu predigen und die Kirchen schließen. Wir wissen, wie der Heiland vielmehr sagt: Gehet hin und prediget; und wie der Apostel fragt (Röm. 10,14): Wie sollen sie anrufen, glauben, hören ohne Prediger? Sollen also die Christen das Privileg haben, welches die dem Evangelium feindlichen Juden einmal haben wollten, allein die Predigt des Reiches Gottes zu hören? und sollen, wie es die Juden einst den Völkern zumutheten, nun die Juden gehalten sein, ihrerseits von selbst zu den Uebrigen zu kommen? Ausgehn, rufen, laden, suchen, so lautet die christliche Liebes- und Reichsregel; die Regel des B. ist die der den Heiden feindlichen Juden in der Apostel-Zeit. Nein, nicht zwei Maaße! nicht sagen: der Eine muß selbst suchen, dem Andern wird es entgegengebracht! das ist gegen den Geist Christi. „Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen." Und dazu, an die christliche Sphäre glauben ist schwer! An Sittlichkeit und Intelligenz, sagt ja B., sind die Juden den Christen im Allgemeinen ungefähr gleich. Gerade die christliche Sphäre reizt oft nicht, sondern schreckt häufig vielmehr die Juden ab. Die Mission