Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 9-10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2554541-2554805-2554811--06041-2562016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
151 einer Überschätzung unseres Werks, die geschichtlichen Erfahrungen vor einer Unterschätzung. A. fährt fort: Man will durch Einzelbekehrungen die Gesammtbekehrung anbahnen. B. Dagegen: Der Zweck wird eben seiner imaginären Natur nach verfehlt. Denn die in das Christenthum und christliche Nationalität herübergezogenen und noch herüberzuziehenden, darin ausgehenden Juden werden gerade so der Theilnahme an jenem Volksreiche entzogen. 0 hat hieraus schon theilweise im Voraus geantwortet. Aber der ganze Einwurf ist überhaupt nur ein Scheinargument. Die Generation der Juden, welche einmal das bekehrte „Ganz Israel" darstellen wird, erlangt beides zu gleicher Zeit, „die Bekehrung" und „die Reichsaufgabe." Die vorher auf der Mitte des Weges lebenden und sterbenden Juden haben entweder die Wahl, in dem Israel der Verstockung oder in der Völkerkirche Jesu Christi zu leben und zu sterben; in ihren Zeiten existirt noch nicht das „Ganz Israel," dem sie entfremdet werden könnten. Das ist ebenso einfach, wie daß Ruth und Andere aus heidnischen Völkern durch ihre Aufnahme in das alttestamentliche Gottesreich Israel nicht der Völkerkirche, die hernach das Reich Gottes bilden sollte, entfremdet wurden; denn zu ihren Zeiten existirte eben die Völkerkirche noch nicht. Paulus, die Römer belehrend, daß sie nicht etwa gegen Israel stolz sein sollten, weil dasselbe gegenwärtig verstockt sei, läßt doch die Einzelnen aus den Generationen der Verstockung nicht fahren, sondern predigt ihnen das Evangelium, selig darin, sie zu Mitarbeitern an dem Aufbau der Völkerkirche zu gebrauchen. Der Apostel, welcher einen letzten Eingang Israels kennt und die Folgen desselben für die Welt als „Leben von den Todten" bezeichnet (Röm. 11, 15), preist sein Amt, wenn es vorher einzelne Juden in die Völkerkirche, die Jesum Christum und sein Heil besitzt, einführt. Für ihn hat es schon besondere Bedeutung, daß die heidenchristliche Kirche nicht durch einen Apostel aus den Heiden, sondern durch einen Apostel aus Israel erbaut wird. Und die Völkerkirche, welche einen Lyra, Tremellius, Neander, Stahl u. s. w. aus Israel zu Mitarbeitern gewonnen hat, die in besonderer Weise