Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 9-10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Volksgemeinde zutreten. Doch hat die Judenmisston das Besondere, daß ste weiß, die Juden gehn nicht auf dem Wege einmal unter, wie viele andere Völker und Stämme untergegangen sind, sondern das Letzte ist ein „Ganz Israel." Kann gegenwärtig die Judenmission nicht wie die Mission bei andern Völkern möglicherweise auf ein ganzes christliches Volk rechnen, sondern nur auf Einzelne, so weiß sie doch auch, das Volk, an dem ste arbeitet, hat ein letztes Ziel, welche Gewißheit bei allen anderen Völkern als Völkern fehlt. Was aber den Inhalt jener Zeit betrifft, die „Ganz Israel" selig zeigt im Gegensatz zu der Juden-Missionszeit, welche einzelne Juden zu Christo zu führen sucht, so ist vor Allem zu konstatiren: Jene nur zwischeneingekommene Auslegung, welche für ein letztes „Ganz Israel" keinen Platz lassen wollte, ist sehr im Schwinden begriffen. Die älteste und ältere christliche Kirche kannte fast einstimmig ein christliches Israel am Ende der Tage; die mittelalterliche und römische blieb auch dabei; erst die Reformation brachte ein ernsteres Schwanken in die Sache; heute dagegen kehrt man in immer weiteren theolologischen Kreisen zur alten Uebereinstimmung zurück. Nachdem man das christliche „Ein Heil für Alle" praktisch durch die Mission unter Heiden und Juden zu bethätigen begonnen hat, ist über der Erfahrung der Arbeit auch ein Verständniß für die Bedeutung der Nationen im Reiche Gottes, an denen man arbeitet, immermehr erwacht. Und wenn Israel sich nicht in seine Atome auflöst, wenn es nicht, wie sonst alle anderen Völkersplitter durch Blutsvermischung in die Nationen übergeht, unter denen es Wohnung gemacht hat, wenn „sein Besonderswohnen" erhalten bleibt, wenn es dazu in seiner Mitte nicht zigeunerhaft verkommt, sondern eine ungemein große Fülle von Kräften aufweist, die nur recht angewendet werden dürfen, um segensreich zu wirken, dann drängt sich doch stets ganz von selbst die Frage auf, ob denn das Alles ein bloßes Spiel der Geschichte sein kann, oder ob nicht vielmehr der Gott, welcher Völker ruft und abruft und behält und vernichtet, hier noch ein besonderes Werk im Sinne habe? Die Jünger mit ihrem Verständniß des A. T. waren wenigstens dieses Glaubens. Ihre letzte Frage an den Herrn auf Erden geht daraus, ob der, der sich als König zur