Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 9-10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Paulus- und Jünger-Bewußtsein: Ich bin ein Schuldner, beides der Griechen und der Nichtgriechen (Röm. 1, 14). Nach alle dem erst kommen wir aus die besondere Frage über den künftigen Beruf Israels. Das Christsein und Christwerden ist die Hauptsache, das Andere eine geschichtliche Angelegenheit. Jede Mission hat ihre Eigenthümlichkeit. Die Mission an den Deutschen hatte die besondere Ehre, das Volk zu Christo zu führen, welches in den mittleren „Zeiten der Heiden und Völker" besondere kirchengeschichtliche Aufgaben zu lösen erhalten hat. Nicht allein um solcher besondern Ehre willen aber sollte die Mission an den Deutschen gescheht!; diese ist nur ein besonderer Schmuck in der Krone ihrer Arbeiter. Judenmission ist auch je und je von Solchen getrieben, ja von Solchen sogar erst wieder ins Leben gerufen worden, welche keineswegs an einen ferneren Volksberuf Israels dachten (von Halle aus durch Callenberg, Stephan Schultz u. s. w.). Im Uebrigen aber, warum sollte allein die Judenmission das Privilegium haben, sich des Gedankens nicht erfreuen zu dürfen, daß ihr ganzes Volk einmal zu Christo kommen könne? da doch jede Heidenmisston ohne Ausnahme das thut. „ Ganz Israel wird gerettet werden" (Röm. 11,26), sagt der Heidenapostel, der ja auch Judenmission vor Anderen trieb. Das letzte Ergebniß des Werkes an Israel wird sich aber selbstverständlich von dem Werke an anderen Völkern so unterscheiden, wie eben Israel selbst von allen anderen Nationen. Vorarbeit trieb aber allerdings Paulus nur, und er wußte, daß er nur Vorarbeit trieb, denn er selbst wollte „Einige" retten, „Ganz Israel" dagegen sollte des Heils theilhaftig werden, wenn sein spezielles, d. h. das Völkerapostel-Amt durch das Eingehn der Fülle der Völker (Röm. 11, 25) zum Abschluß gekommen wäre. Vorarbeit ist daher freilich nur alle Judenmission, aber deswegen so wenig überflüssig, wie Davids Arbeit für den Salomonischen Tempelbau überflüssig war. Freilich stellt sich gegenwärtig die Sache für diejenigen Juden, welche zur christlichen Völkerkirche kommen, so, wie sich die Sache für Angehörige der Völker in den Zeiten des A. T. stellte, wenn dieselben dem Reiche Gottes, das in jener Periode Israel war, angehören wollten: sie müssen in beiden Fällen auch der ftemden