Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 9-10 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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147 „ selig zu machen," in sich trägt. Will man ein erstes Ziel der Judenmission nennen, so ist es gegenwärtig im Angesichte solcher Worte des Apostels dies, die Kirche über ihrer Arbeit an den Juden zur Erkenntniß ihrer Kraft resp. Ohnmacht und Lässigkeit oder schwächlichen Trägheit zu führen. Also einen Spiegel oder Thermometer für die Kirche nennt uns der Heidenapostel die Judenmissionsarbeit. Und für diejenigen, welche an dieselbe nicht heranwollen, hat er noch ein direkteres Wort. Dem Heilande gehorsam, welcher geboten hat, in Jerusalem mit seiner Predigt anzufangen (Luc. 24, 47) und sie durch Judäa und Samaria bis an die Enden der Welt zu tragen (Apost.-Gesch. 1, 8), hat er sich selbstverständlich, wohin er kam, zuerst an die Juden gewandt (Apost.-Gesch. 13, 49), aber auch ausdrücklich gesagt Röm. 10, 12—15, wenn .kein Unterschied ist zwischen Juden und Griechen," „Wie sollen sie aber glauben, von dem sie nichts gehört haben? wie sollen sie aber hören ohne Prediger? wie sollen sie aber predigen, wo sie nicht gesandt werden?" Da das Heil allen Menschen zukommt, mögen sie eine besondere Aufgabe für das Reich Gottes haben oder nicht, oder gehabt haben und sie wieder verlieren, so haben die Jünger Christi den direkten Befehl, dieses Heil aller Kreatur zu verkündigen. Ob die Predigt an die Juden mit dem Amte eines Predigers der Völker, wie es bei Paulus der Fall war, verbunden wird, oder ob heute praktischer eine Theilung geschieht, ähnlich wie es bei jener Ausscheidung des Diakonats aus dem Apostolat der Fall war (Apost.-Gesch. 6, 2. 3), müssen die Verhältnisse an die Hand geben, aber die Predigt muß an die Juden gebracht werden; und wenn die Kirche ihrer Pflicht oder des Gebotes Christi eingedenk sein will, so hat sie auch zu sorgen, daß es nicht dem Zufall überlassen bleibe, ob eine Predigt an die Juden geschieht oder nicht. So wenig die kirchliche oder Heidenmifsions- Predigt dem Zufall überlassen bleiben darf, sondern ein Amt derselben vorhanden sein soll, so wenig dürfen ein anderes Maß oder eine andere Regel angewandt werden, wenn es sich um die Verkündigung des Heils an die Juden handelt. Die Judenmisston entspringt daher durchaus nicht zuerst einer besonderen Liebhaberei, sondern dem io*