Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 7-8 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Ueberfahrt ohne jegliche Beschwerde zurücklegen, und es schien den Leitern dieser Schaar, als ob seines Geistes Wehen während dieser stillen 12 Tage in besonderem Maaße zu spüren war. Und welch ein fteundliches Willkommen wurde den Ankömmlingen in der neuen Welt geboten! In jeder Stadt war ihre Ankunft vorbereitet. Die Eisenbahnzüge nahmen sie unentgeltlich auf. Auf vielen Stationen wurden sie mit Freudengeschrei empfangen, mit Segenswünschen und rührenden Beweisen der Theilnahme entlassen. Manche christliche Agenten erboten sich, passende Stellen für sie auszumitteln. Andere die von dem Kommen derselben gehört hatten, waren Herbeigekommen selbst welche mitzunehmen. In Montreal waren die Farmer schaarenweise nach dem Landungsplätze gekommen, um die Knaben in ihren Dienst zu nehmen, damit sie auf ihren Besitzungen in der Feldarbeit ihnen behülflich seien; einige erwiesen sich bereit, sie gleich an Kindesstatt anzunehmen. Es war nöthig, ernstlich den Charakter der Brodtherren zu prüfen, ehe man ihnen die Knaben überlassen konnte. Sie mußten versprechen, die religiöse Ausbildung der Kinder nicht zu vernachlässigen und im Falle es nöthig, auch ihre Kenntnisse und Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen vervollkommnen zu lassen. Da mußte man sich mit einander besprechen und endlich im gemeinsamen Gebet den Herrn anmfen, daß er Gnade geben wolle. Nun kam der erste Trennungsschmerz; hier wurde offenbar, welche Anhänglichkeit die Pfleglinge und ihre Wohlthäterin aneinander band. Aber die Begeisterung dieser Knaben, die zuerst nun Thatcn thun und Zeugniß ablegen sollten, daß sie der erfahrenen Wohlthaten nicht unwerth seien, schlug das Weh des Scheidens nieder und die Meisten sandten mit fteudenstrahlendem Angesicht den Scheidegruß Ms dem mit ihnen davon eilenden Wagen. In jeder größeren Stadt ließ Miß M. eine Schaar ihrer Lieblinge zurück. Das herzlichste Entgegenkommen wiederfuhr ihr in Belleville in Ontario. Hier bot man ihr in großmüthigster Weise ein früheres Jnvalidenhaus zu Marchmont, einer lieblichen Besitzung mit Wiesen- und Gartenland und herrlicher Aussicht auf die Bai von Quinte zur Verfügung an. Der Gemeinde-Rath zahlt die jährliche Miethe dafür.