Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 7-8 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Der große Andrang zu dem Asyl, namentlich die nie endenden Bitten um Aufnahme von mehr Kindern erlauben nicht, daß dieselben allzu lange in diesem gesegneten Heim verweilen dürfen. Sie müssen ja auch erprobt werden und in das Leben wieder eintreten. ES war Miß M. lange eine schwere Sorge, wo und wie sie die geretteten Kinder unterbringen sollte. Für die kleinen Mädchen fand sich leichter ein Dienst oder ein Unterkommen, wo sie unter christlicher Aufsicht und Liebe bleiben, viel schwerer aber für die Knaben. Sollten sie noch unbefestigt in das Treiben der großen Weltstadt zurückkehren, um sich dort mit Mühe und Roth entsprechende Arbeit und Verdienst zu suchen? Wie leicht würden sie in die alten Schlingen und Versuchungen wieder hineingerathen! Rach anhaltendem ernsten Bitten um des Herrn Weisung und Leitung, entschloß sie sich endlich trotz mancher Bedenken den Versuch zu machen und sie nach Canada zu führen, um sie bei den christlichen Colonisten, die im Genuß des vollen reichen Segens dieses Landes nur der Arbeitskräfte entbehrten, unterzubringen. In den Jahren 1868 und 69 hatte Miß M. selbst vielen verarmten Familien durch Geldmittel und Aussteuer zur Auswanderung nach Amerika verholfen. Ihren geretteten Knaben sollte nun in der gesunden Luft des ftuchtbaren Landes mit seinen weiten noch unbebauten Strecken, seinen Bergen, Wäldern, Flüssen und Seen eine neue Welt aufgehen, in welcher sie nicht nur Arbeit genug finden, sondern auch den Grund zu einer selbstständigen Eristenz legen könnten. Im Anfänge des Jahres 1870 wurden die ersten Vorbereitungen dazu getroffen. Miß M. sammelte aus den verschiedenen Rettungshäusern die geeignetesten und gereistesten Knaben; manche Wittwe übergab ihren Sohn mit Freuden der ferneren Obhut der theuren Wohlthäterin, und die Erlaubniß der etwa vorhandenen Angehörigen wurde in den meisten Fällen ohne Zögern gegeben. Im Mai 1870 waren 100 Knaben bereit, und Miß. M. selbst in Begleitung einer Freundin und ihres Schullehrers, welcher die Aufsicht über die untergebrachten Knaben dort übernehmen sollte, brachten sie nach Canada. Es war zum ersten Mal, daß solch eine Ladung über das Meer gebracht wurde. Gott ließ sie die