Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 5-6 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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94 gemiethet hatte. Blaß und hohlwangig standen fie an ihrer Arbeit um einen Tisch in der Mitte der ärmlichen Dachkammer. Das Zimmer war von oben bis unten mit dem Material zu den Kästchen belegt, auf und unter dem Bette, auf jedem freien Fleck lag die fertige Waare zum Trocknen ausgebreitet. Die Kinder erhielten 7—8 Pfennige für 12 Dutzend Schachteln; Holz und Papier wurde der Frau geliefert, aber sie hatte den Leim und die Feuerung zu geben, um die Kästchen trocken abzulicfern. Sie selbst erhielt 20 Pfennige für das Groß. Auf dem Tische lag ein Brod und ein Messer, um den Hunger der Kinder zu stillen, welche sich so sauer dies Stückchen Brot verdienen mußten. So arbeiten solche Kinder Tag um Tag ohne Unterbrechung, mit Ausnahme des Sonntags, vom frühen Morgen bis zum späten Abend, und werden nicht eher entlassen, als bis sie ihre Aufgabe vollendet haben. Kein Unterricht wird ihnen zu Theil, für die Schule ist keine Zeit; sie müssen Brot verdienen! und dieser Verdienst wird doch wie oft von dem Vater vertrunken, von der Mutter vergeudet. — Gott sei gedankt, daß das unumstößliche Gesetz diesem Arbeitsleben am Tage des Herrn Einhalt gebietet und das christliche England auch für solche arme Geschöpfe eine Stätte bereitet hat, wo sie, geborgen vor Kälte und Mangel, für ein paar Stunden in der Sonntagsschule bitteres Weh vergessen können und die Stimme des treuen Heilands vernehmen, der da sagt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Himmelreich." Ohne diese wohlthätige Einrichtung würden tausende von Kindern in der großen Weltstadt hingehen, ohne je einen Strahl aus der höheren Welt in ihren Herzen aufzufangen. Ein andermal traf ein Geistlicher bei seinen Besuchen ein kleines Mädchen bei dieser Arbeit an. Er nahm daö arme, über seine Jahre so verständig und ernst blickende Kind liebreich auf seinen Schooß und fragte nach seinem Alter. Es war vier Jahre alt. Die Mutter rühmte, daß das Kind schon von seinem dritten Jahre an sein Brot selbst verdient habe. Sie sagte, es mache mehrere Hundert Kästchen jeden Tag und sein Verdienst reiche gerade aus, die Miethe