Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 5-6 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Repräsentation in dem Stammlande des Christenthums zu besitzen, um auf diese Weise den behaupteten Charakter „der ältesten und eigentlichen christlichen Kirche" aufrecht zu erhalten; sondern ihr Gedanke war der einer Arbeit, welche das erstarrte Volk des Orients selbst zum Leben erwecken und zum thätigen Gliede an dem Leibe Christi umbilden sollte. Das Volk selbst also, es mochte nun christlich oder muhamedanisch oder jüdisch oder heidnisch heißen, suchte man evangelischerseits; und eben das ist der Grund, daß die evangelische Kirche im Orient fast allein unter den christlichen Kirchen während dieses Jahrhunderts größere Fortschritte gemacht hat. Mit Neid und Besorgniß blicken daher die älteren Gemeinschaften jetzt auf die jüngere Schwester; die frühere Nichtachtung und Verachtung hat der wachsamsten Eifersucht Platz gemacht; und jene Kirchen oder Religions-Gemeinschaften, sonst nur in einen Kampf um den äußeren Besitz, der mit den Mitteln der Gewalt, der Diplomatie, der Politik und des Geldes geführt wurde, unter einander verwickelt, sehen sich überall da, wo die evangelische Kirche unter ihnen auftritt, genöthigt, neben den äußerlichen Waffen, welche sie in den früheren Kämpfen angewandt hatten, neue Waffen zu gebrauchen. Sie sehen es selbst, daß der evangelische Geist doch auch positiv mit Geist bekämpft werden muß; und das heutige Schulwesen des Orients ist sowohl innerhalb der christlichen Kirchen als unter den Juden desselben fast allein daraus erwachsen, daß die zuerst von den Evangelischen ins Leben gerufenen Schulen die alten Kirchen und die Synagoge in ihrem Bestände zu bedrohen anfingen. An den verschiedensten Punkten und unter den verschiedensten Völkerschästen des Orients sehen wir heute die evangelischen Kirchen arbeiten. Ihre Pioniere aber waren die Nord-Amerikaner. Als die Londoner Gesellschaft für Israel, angeregt durch den bekannten Proselyten und Reisenden Joseph Wolf, ihre ersten Abgesandtennach Palästina schickte, um durch dieselben zu erforschen, ob der Boden des heiligen Landes für ihr Werk in Angriffs genommen werden könne, fanden sie daselbst schon amerikanische Sendboten vor, denen der Auftrag zu Theil geworden war, die Arbeit der Evangelisirung des Orients aufzunchmen. 1822 waren letztere abgesandt, zuerst 6*