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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 5-6 (1873) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
5-6 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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75 Gott stritt für sie. Und willig thaten die Herzen und die Hände sich auf und das Volk gab: die Reichen von ihrem Reichthum und die Armen von ihrer Armuth. Und der Gott vom Himmel ließ es ihnen gelingen und die Steine wurden wirklich lebendig, die Staubhaufen und verbrannt waren, und Jerusalems Mauern wurden wirklich vollendet und in langen Dankesschaaren zog das Volk hinauf zum Haufe Gottes, zu halten Weihefest mit Freuden, mit Danken, mit Singen, Cymbeln, Psalter und Harfen und man hörte die Freude Jerusalems ferne. Sagt, Geliebte, ist das nicht in der That ein köstliches Bild — diese Bauarbeit und diese Baufteude? ist's nicht tröstlich und verheißungsreich auch für die Arbeit an Jerusalems Mauern zu unserer Zeit? Denn wieder sank ja Jerusalem in Asche und Trümmer, da es den Heiligen Gottes, den König der Juden, ans Kreuz geschlagen: wieder blieb vom Tempel kein Stein auf dem andern und wieder zertraten die Heiden seine Vorhöfe. Und als er von Neuem ertönte, in der neuen Zeit, der Ruf: kommt, laßt uns die Mauern Jerusalems bauen! was hat er da bedeutet? Gar verschiedenes. Kommt, laßt uns die Mauern Jerusalems bauen! Das war der glühende Haß und die bittere Feindschaft, die es den abgefallenen Julianus rufen ließen, daß er Jerusalem baute, dem Juden- und dem Christengotte zum Trotz. Sei's Thatsache, sei's fromme Sage nur, daß das Feuer herausgeschlagen aus Jerusalems Trümmern wider die frechen Bauleute: die gewaltige Hand Gottes zerbrach diesen letzten Trotz der alten Heidenwelt, wie das Feuer die Stoppeln frißt, und wenn nicht von des sterbenden Kaisers Lippen, dann doch aus seinem Herzen rang er sich, der Ruf ohnmächtiger Verzweiflung: so hast du doch gesiegt, Galiläer! Kommt, laßt uns die Mauern Jerusalems bauen! so klang es durch die alte Christenheit und über den heiligen Stätten, da die Erlösung der Welt vollbracht ward, erhoben sich Kirchen und Kapellen und Klöster, und fromme Pilgerschaaren kamen, anzubeten an der Krippe und am heiligen Grabe. Hat sie sich auszuweisen vermocht, diese Arbeit, als ein Bau, in Gott gebauet, dieser Gottesdienst als eine Anbetung im Geiste und in der Wahrheit? Wohl gab's nur christliche Tempel in Jerusalem und im heiligen

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