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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 5-6 (1873) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
5-6 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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69 Kennst du sie nicht, die Sehnsucht, die fragt: Wie wird's sein, wenn wir zieh'n in Salem ein? und die an den Särgen und Gräbern durch Thränen frohlocket: in die Stadt der goldenen Gassen, o mein Gott, ich kann's nicht fassen, was das wird für Wonne sein! Siehe, das Jerusalem, das ist keine Trümmerstadt mehr, nicht zerbrochene Mauern und verbrannte Thore: das ist die Stadt, deren Mauern Heil und deren Thore Lob heißen. Das ist keine Stadt des Elends und der Trauer mehr; da sind die Thränen abgewischt von den Angesichtern und der Tod wird nicht mehr sein noch Leid, noch Geschrei noch Schmerzen wird mehr sein. Verstehst du auch das Singen der Christenheit: Jerusalem, du hochgebaute Stadt, Wollt' Gott, ich war' in dir! Mein sehnend Herz so groß Verlangen hat, Und ist nicht mehr in mir; Weit über Berg und Thale, Weit über blaches Feld Schwingt es sich über alle Und eilt aus dieser Welt. O Ehrenburg, sei nun gegrüßet mir, Thu' auf die Gnadenpfort! Wie große Zeit hat mich verlangt nach dir. Eh' ich bin kommen fort Aus jenem bösen Leben, Aus jener Nichtigkeit, Und Gott mir hat gegeben Das Erb' der Ewigkeit. Siehe, das ist nicht der Sinn, der lieber zu den Fleischtöpfen Egyptens zurück will, als durch die Wüste nach Kanaan, der Sinn, der mit dem verlorenen Sohne lieber bei den Trabern sein Dasein fristen, als heimkehren will ins Vaterhaus, ans Vaterherz; der Sinn, der kein Hehl daraus macht, daß er sich wenig grämen würde, gingen auch die Schlüssel zum himmlischen Jerusalem verloren, so er die Erde nur behalten darf; nein, das ist der Sinn, dem das schöne Wort gilt: Selig sind, die das Heimweh haben, denn sie sollen zu Hause kommen. Aber kann man denn so des himmlischen Jerusalem sich fteuen und des irdischen vergessen? so nach dem himmlischen sich sehnen und nach dem irdischen nicht stagen? Wo geht

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