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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 5-6 (1873) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
5-6 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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68 wie steht es zu Jerusalem? so hat er etliche der Seinen, die von dort zurückgekehrt, gefragt. Und ste haben ihm geantwortet: die Uebrigen vom Gefängniß sind daselbst im Lande in großem Unglück und Schmach; die Mauern Jerusalems sind zerbrochen und ihre Thore mit Feuer verbrannt. Zwar einen Tempel haben die aus der Verbannung Heimgekehrten erbaut, ob auch Thränenströme seinen Grundstein genetzt und Wehe- und Jubelgeschrei sich über ihm gemischt haben — aber die heilige Stadt liegt da in Trümmern, wie die Hand der Chaldäer ste zerschlagen hat, in der Asche, darein sie das Zornesfeuer des Heiligen Israels gelegt hat. Da ist es ihm durchs Herz gegangen, da saß er und weinte, und trug Leid, da gab er dem fragenden Könige zur Antwort: wie sollte ich nicht übel aussehen? Die Stadt, da das Haus des Begräbnisses meiner Väter ist, liegt wüste und ihre Thore sind mit Fener verzehret. Siehe, das ist nicht der Sinn, deß Wahlspruch lautet: wo mirs wohlgeht, da ist meine Heimath; nein, das ist der Sinn, in dem schon Mose einst lieber erwählte, mit dem Volke Gottes Schmach zu leiden, als länger zu heißen ein Sohn der Tochter Pharao. Der Sinn, in dem ein Daniel aus fernem Lande sehnsüchtig nach Jerusalem, der Heimath, schaute, wenn er betend lag vor seinem Gott; das ist der Sinn, der das Psalmlied gesungen: vergesse ich dein, Jerusalem, so vergesse meine Rechte, meine Zunge müsse an meinem Gaumen kleben, wo ich dein nicht gedenke, wo ich nicht lasse Jerusalem meine höchste Freude sein. In Schutt und Trümmern die Stätte, da seiner Väter Gräber sind, mit der die heiligsten Erinnerungen seiner Seele ihn verbinden; auf dem Volke Gottes die Schmach, daß es Jerusalems Mauern nicht bauet: das kann er nicht länger tragen, er zieht zur Heimath und wirbt: kommt, laßt uns die Mauern Jerusalems bauen. — Und wenn er heut erklingt, Jerusalems theurer Name, und wenn es heut heißt: laßt euch Jerusalem im Herzen sein, sag', klingt es da nicht in deinem Herzen wieder, wie der Heimath süßer Klang? Oder kennst du sie nicht, die Frage: Wo findet die Seele die Heimath, die Ruh? und die Antwort: Jerusalem droben, von Golde erbaut, ist dieses die Heimath der Seele, der Braut? Ja, dies allein kann Heimath und Ruhstatt der Seele nur sein!

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