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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 3-4 (1873) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
3-4 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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ausersehen hatte, dabei still, ernst, demüthig, ein wahrer Christ; und aus dem ungelenken jungen Manne war eine majestätisch imponirende Erscheinung geworden. So habe ich ihn gesehen, wie er eben ausging auf seine erste Misstonöarbeit in Abessinien. Doch, daß ich nicht voreile, in Aegypten erst blieb er lange und predigte dort unter den koptischen Christen das Evangelium. Auch Muhamedaner hörten ihn, und es ist ihm das Zeugniß geworden, so wie er habe noch niemals ein Europäer sowohl die arabische Sprache gehandhabt, als die Gemüther dieser Morgenländer durch seine ernste Ruhe und Innigkeit angezogen. Endlich ging er nach Abessinien. Nicht drei Jahre war er da, als durch das Land, hauptsächlich durch die Priesterschaft, ein geistiges Erzittern ging, und es sich zu einer Reformation anließ, zu einem Rückgänge von den kirchlichen Verirrungen und Verwirrungen aus den Grund der heiligen Schrift. Ja so weit ging es, daß die Abessinier ihn fragten, ob er sich nicht entschließen könnte, als Abuna (Patriarch) an die Spitze der abessinischen Kirche zu treten; die Stelle war eben durch den Tod des Patriarchen frei geworden; und aus der koptischen Kirche in Abessinien pflegen die Abessinier ihren Abuna zu holen. Er durfte nicht annehmen, weil er nicht die Lehre der abessinischen Kirche sich aneignen konnte, gegen die er noch nicht besonders angekämpst hatte, weil er sie von innen heraus durch richtigere Erkenntniß überwinden wollte. Zudem nöthigte ihn schwere Erkrankung das Land zu verlassen. Nach seiner Genesung versuchte er es noch einmal, aber der günstigste Moment war vorüber; die Gegenwirkung war von anderer Seite von Europa aus eingetreten, und er konnte abermals nicht in dem Lande bleiben, denn wiederum nöthigte ihn Krankheit sich zurückzuziehen. Längere Zeit hat er alsdann im südlichen Deutschland und in der Schweiz als Missionsprediger der evangelischen Missionsgesellschaft zu Basel mit großem und reichem Segen gearbeitet, als er berufen wurde an die Spitze einer großen Erziehungsanstalt zu treten, die auf der Insel Malta in dem Orte St. Julian errichtet wurde, einer Erziehungsanstalt, welche die Absicht hatte für das Morgenland nicht etwa nur Missionare, sondern Schreiber, Buchhalter, Dolmetscher, kurzum solche Leute auszubilden, die hernach europäische Bildung von sich aus weiter verbreiten könnten; und von dort wurde er auf den bischöflichen Stuhl in Jerusalem durch König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen berufen. Das geschah Ende des Jahres 1846.

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