Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554805-2554808--05947-2561919- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
heiligen Stadt. Es ist bekannt, daß England und Preußen, die beiden Vormächte des Protestantismus, gemeinsam ein evangelisches Bisthum in Jerusalem gegründet haben; und auch von unserem Blatt ist schon mehrfach darauf hingewiesen, daß gerade hierdurch für die Bestrebungen der evangelischen Kirche im Orient, besonders aber im heiligen Lande ein bleibender und beständiger Mittelpunkt geschaffen worden ist. In seltener Weise hat sich aber gerade die Person Gobats für das wichtige und schwierige Amt zu Jerusalem geeignet bewiesen. Um so dänkenswerther ist es, daß Generalsuperintendent Hoffmann in Berlin uns über die frühere LebenSgeschichte des trefflichen Mannes des Näheren unterrichtet hat. Das von demselben bei Gelegenheit des Jerusalem-Vereins-Festes 1872 in Berlin Mitgetheilte wird auch unsere Leser interesstren. Er sagte: Vor dreißig Jahren war es, da trat ich auf einer Reise mit meinen Zöglingen als Leiter der evangelischen Misstonsanstalt zu Basel in ein armseliges Haus, eine Hütte nur kann ich es nennen, in dem Dörfchen Cremines bei Moutiers im Schweizer >Jura, um einem Manne meine ehrfurchstvolle und liebevolle Begrüßung darzubringen; es war der alte, ehrwürdige Schulmeister des Dorfs, Gobat hieß er; sein Sohn ist der Bischof von Jerusalem. Aber schon im Anfänge der zwanziger Jahre war es, daß dieser Sohn von dem Herrn zu seinem Werkzeuge gewählt wurde. Und wo? In dem Dorfwirthshause zu Cremines; da saß dieser Samuel, dem seine Eltern in der Taufe diesen Namen hatten geben lassen, weil sie ihn dem Herrn weihen wollten, wie Hannah ihren Samuel im alten Bunde. Da saß er mit einem seiner Brüder und mit andern Genossen aus dem Dorfe beim Kartenspiel. Er saß schon in der vierten Stunde, und zu Hause betete auf ihren Knien die fromme Mutter um die Bekehrung ihrer Kinder. Es war 9 Uhr Abends; da plötzlich sprang dieser Samuel von seinem Stuhle empor; warf die Karten auf den Tisch, stürzte hinaus in die dunkle Nacht und kehrte nicht wieder. Als er lange ausblieb, wurde es den Andern doch bange, sie erhoben sich auch, sie gingen ihm nach, sie riefen seinen Namen in die Nacht hinaus, aber keine Antwort; und mit schwerem Herzen mußte der Bruder nach Hause gehen und den um ihn betenden Eltern verkündigen, er sei verschwunden, denn zu Hause war er nicht. Er wurde im Dorf gesucht; alle Bewohner desselben, ihrem alten Schullehrer von Herzen zugethan, erhoben sich; die ganze Mannschaft zog mit Fackeln hinaus in die Wälder, lange vergebens suchend und rufend; endlich in einer engen, wilden Schlucht, Morgens um 3 Uhr, fanden ste Samuel Gobat auf seinem Angesicht liegend und betend. Der Herr hatte ihn ergriffen. Er stand auf, als die Suchenden kamen und fragte, was es sei? Man antwortete ihm, du bist doch um 9 Uhr fortgegangen, und nun ist es 3. Drei Uhr? frug er, ist das möglich? kaum eine Viertelstunde ist es, daß ich weg bin.