Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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beide ins Gericht geführt: Jesus und das jüdische Volk, so fällt die letzte Entscheidung auch des modern jüdischen Urtheils doch zu Gunsten des Volkes aus. So sehr es einem Grätz ganz offenbar eine schwere Ueberwindung kostet, sich über die Verurtheilung Jesu auszusprechen, er thut es dennoch. Ehrlich genug verleugnet er die Thatsache der Verurtheilung Jesu durch das jüdische Tribunal nicht; auf mancherlei Weise suchte er auch beide Theilc zu entschuldigen; aber das steht ihm fest, daß der Anspruch aus die Gottessohnschaft in Jesu Munde eine Gotteslästerung gewesen wäre, und von einer Schuld dieser Art will er ihn nicht ganz freisprechen. Von jener Zweideutigkeit sogenannter Christen, welche Jesum sich selbst den Sohn Gottes nennen, aber unter diesem Namen das Gegentheil desselben verstehen lassen, ist ein Grätz glücklicherweise frei; und die ernste Aufaffung des Gottesbegriffes in weiteren jüdischen Kreisen bewahrt auch viele Andere unserer neueren Juden vor dieser Verirrung. Das ist aber eins der wichtigsten Momente für die Folgezeit. Christi Bild ist vor den Augen unserer Juden noch nicht verloschen; tiefer als je hat der Eindruck desselben sich in die Seele Vieler unter ihnen gegraben. Nur für zwei Dinge ungefähr darf man bei unseren modernen Juden auf Zustimmung rechnen: Das erste ist der unendliche Werth ihrer selbst, und das zweite ist, daß Jesu Name, wie kaum ein Anderer in Mitten der Menschheit, bleibend aufragt; selbst daß Gott nur eine Person sei, steht heute wohl nicht so vielen unserer Juden fest, als diese beiden Dinge. Die Hoffnung hat damit aber ein neues Fundament gewonnen. Denn daß unsere Juden im Verlauf der Zeiten es erfahren werden, wie auch sie selbst nur Fleisch sind, wird uns heute leichter verständlich, als je zuvor. Und dann bleibt nur Einer vor ihnen übrig; dann werden sie sehen, in welchen sie gestochen haben. Vom Bischof Gobat in Jerusalem. Am 30. December 1871 feierte Bischof Samuel Gobat sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als evangelischer Bischof in der