Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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den bleibenden Eindruck Jesu auf seine Jünger verständlich zu machen. Wie wenig er dies freilich auf solche Weise vermocht hat, erkennt Jeder, sobald man die Frage aufwirft: Woher aber der gleiche Eindruck von der Person Christi in allen den folgenden Zeiten stammt, die ihn doch nicht Wunder haben vollbringen sehen? Wunder von gleicher Größe haben überdem gar viele Männer des Alten Testaments vollbracht, und wir halten dieselben ’fa für nicht minder wahr als die des Neuen Testamentes. Für den Glauben an Christum trägt es aber gar nichts aus, ob derselbe Wunder vollbracht hat oder nicht; eine besondere und mit nichts auf Erden zu vergleichende Erfahrung seiner Person selbst ist uns vielmehr das Ein und Alles in unserer ganzen Stellung zu Christo. Eben diese Thatsache verbirgt man sich denn auch wieder nicht unter den modernen Juden. Aber um so größer wird nur die Verlegenheit. Wir sahn vorhin, wie Grätz einmal ganz richtig bekennt, die bloße sittliche Reinheit Jesu hätte nicht einen nachhaltigen und bleibenden Eindruck Hervorbringen können. Das ist ganz wahr; denn wäre Jesus nur ein Tugend- Beispiel, wenn auch immerhin vielleicht dem Ideale der Tugend oder Gottesfurcht noch näher gekommen, als selbst ein Hillel, so würde sein Bild vor der Welt nicht minder erblaßt sein, als das dieses jüdischen Weisen. In der That, seine Wunder und seine sittliche Reinheit reichen nicht aus, um es zu erklären, daß er fortdauernd in der ganzen Menschheit diese einzigartige Stelle einnimmt. Auch das vermag das Geheimniß noch nicht aufzuhellen, wenn man Jesu Eifer für die Besserung der Verwahrlosten in seinem Volke als seine besondere Ehre bezeichnet, oder wenn man hierauf die Bedeutung zurückführt, die er in den Augen seiner Jünger und des Volkes seiner Tage gefunden hat. Denn seine Person hat sich eben in aller Folgezeit noch viel tiefer den Herzen eingeprägt, und zwar den Herzen aller Völker, den Herzen der Höchsten und der Niedrigsten, der Einfältigsten und der Weisesten, der Besten und der Schlechtesten, der Stärksten und der Schwächsten der Erde. Was bleibt also übrig, als der Sünder- Heiland und Gottes eingeborener Sohn? — Aber da erklärt Grätz mit allen den Seinen: die Juden in der Zeit Jesu bedurften des Arztes