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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 3-4 (1873) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
3-4 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Bild Jesu umzuwandeln und die Berichte über denselben im Neuen Testamente anzugreifen nöthigten. Die Tendenz verlangte eine andere Construction der Geschichte; und so mußte sich dieselbe nun corrigiren, in ihren ältesten Urkunden verbessern lassen. Eben dieses Verfahren schlägt man deshalb auch jüdischerseits ein; nur daß hier die Zwecke und Ziele sich mit denen der christlichen Kritiker oft nicht decken, sondern einen spezifisch jüdischen Charakter tragen. So steht denn hier von vorn herein gewöhnlich zweierlei fest: Einmal, daß die Juden in den Tagen Jesu der Hauptsache und der größten Zahl nach ganz vortrefflich waren, und zweitens, daß die edle Persönlichkeit Jesu eigentlich nur als eine würdige Repräsentation des damaligen jüdischen Volkes anzusehen sei. Was hiermit in den Evangelien zu stimmen scheint, wird als echte und alte Ueberlieferung angesehen, was hiermit streitet, als Verbildung. Darnach werden sowohl die einzelnen Evangelien im Ganzen, als auch die einzelnen Capitel und sogar die einzelnen Verse beurtheilt. Die Erklärung „unecht", „späterer Zusatz", „Mythus" u. s. w. weiß eine ganze Menge von unangenehmen Worten und Vorfällen aus dem Wege zu räumen. Der Eindruck der Person Jesu ist aber doch ein so mächtiger, daß man sich nach allen Versuchen, jedes Räthsel, welches die Geschichte und die Evangelien nun einmal aufwerfen, zu lösen, selbst unbefriedigt zeigt. Die große Menge der Widersprüche, in welche sich Grätz bei jenen oben mitgetheilten Aeußerungen über Christum mit seinen eigenen Worten verwickelt, ist nicht eine ihm eigentümliche Erscheinung, sondern genau dasselbe begegnet uns bei allen unseren modernen Juden in ihrer Beurtheilung Christi. Jesus soll durchaus ein blosser Mensch und womöglich nichts als ein nationaler Jude gewesen sein; aber dann bleibt es unerklärbar, warum nicht so viele andere Menschen und Juden einen auch nur von ferne ähnlichen Eindruck auf die Welt gemacht haben. Man fühlt es hier jüdischerseits selbst, daß eine ernsthaftere Erklärung der Sache nöthig ist, und Grätz hat unter all den Seinen fast noch das Beste beigebracht. Er räumt Jesu fast eine Prophetenstellung ein; er wagt es selbst, wenn auch schüchtern, so weit zu gehen, daß er Christo in gewisser Weise die Wundermacht der Propheten zuerkennt, ja er versucht es, hieraus

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