Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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bald hier, bald da gesehen, mit ihm gesprochen, seine Wunden betastet und sogar mit ihm Fische und Honigseim gegessen haben. Die Gläubigkeit fand auch nicht den geringsten Grund an seiner Messianität zu zweifeln. So weit Grätz. Es ist nun nicht die Absicht, auf die von demselben ausgesprochenen Ansichten im Einzelnen einzugehen, sondern nur hervorzuheben, wie in den Ausführungen dieses Geschichtsschreibers auch die Grundanschauungen einer sehr großen Zahl der modernen Juden über Christum, das Christenthum und das Neue Testament zu Tage treten. Das gilt aber vor Allem von der Beurtheilung der Person Jesu selbst. Mit vr. Grätz theilen weitaus die meisten der Juden, welche die moderne Bildung in den christlichen Schulen empfangen und unter der beständigen Berührung mit den Christen auf allen Gebieten des Lebens sich späterhin noch weiter angeeignet haben, durchaus jene Hochachtung vor der Person unseres Heilandes. Er ist ihnen gewöhnlich die stttenreinste und erhabenste Persönlichkeit seiner Zeit; und wenn er nicht über Abraham und Moses oder Hillel erhoben wird, so räumt man ihm doch willig einen Platz neben oder dicht unter denselben ein. Jener Haß und jene tiefe Verachtung des Nazareners, welche die talmudische Periode kennzeichnen, sind unter den neueren Juden durchaus einer aufrichtigen Anerkennung seines edlen Charakters gewichen. Mit wenigen Ausnahmen hält man auch an der Geschichtlichkeit seines Lebens fest und bezweifelt nicht, daß in seinen allgemeinen Umrissen dasselbe von den Evangelien richtig gezeichnet sei. In der Hauptsache aber freilich bleibt man bei der früheren Stellung, nämlich in der Frage um seine Messianität. Die unendlichen Schwierigkeiten und Widersprüche, welche sich bei dieser Stellung zu Christo und zu den evangelischen Urkunden überall aufdrängen, fühlt man in Etwas; aber im christlichen Lager selbst hat man ja schon vorher das Beispiel gegeben, wie man mit diesen Schwierigkeiten fertig zu werden suchen muß, und das hier eingeschlagene Verfahren ahmt man nun nach. Im christlichen Lager waren von jeher ganz bestimmte, im Voraus feststehende religiöse und unreligiöse Ueberzeugungen, die dann, einen ftemden Mantel umhängend, d. h. im Namen der Geschichte das