Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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hat mit seinem Tode mehr gewirkt, als mit seinem Leben. - Die Schädelstätte wurde für die geschichtliche Welt ein neuer Sinai. UebrigenS machten diese für die christliche Welt so wichtigen Vorgänge zur Zeit in Jerusalem so wenig Aussehen, daß die jüdischen Geschichtsschreiber Justus von Tiberias und Josephus, welche, namentlich der letztere, der auch die geringsten Vorfälle unter Pilatus erzählt- und sogar einen samaritanischen Propheten nicht übergeht, der seinen Volkgenoffen die von Mose auf dem Berge Garizim verborgenen heiligen Gefäße zu übergeben sich anheischig gemacht hatte, Jesus und dessen Hinrichtung mit keiner Silbe gedenken. Als der erste Schrecken von der Gefangennahme und der Kreuzigung Jesu, welcher seine Jünger auseinander gesprengt hatte, vorüber war, sammelten sie sich wieder, um über den Tod ihres geliebten Meisters zu weinen. Der ganze Anhang Jesu, wenigstens derjenige, welcher sich damals in Jerusalem befand, betrug nicht mehr als 120 Glieder, und wenn alle zusammen gerechnet werden, die in Galiläa an ihn glaubten, nicht mehr als 500. Und hier zeigt es sich wie mächtig der Eindruck gewesen sein muß, den Jesus auf die größtentheils unwissenden Menschen gemacht hatte; er läßt sich nur durch seine höhere sittliche Erscheinung erklären. Weit entfernt, ihren Glauben an ihn als einen Traum fahren zu lassen, begeisterten sie sich immer mehr für ihn; ihre Verehrung für Jesu steigerte sich bis zur Schwärmerei. Das einzig Anstößige lag für sie noch in dem Umstande, daß der Messias, der Israel erlösen und die Herrlichkeit des Himmelreiches bringen sollte, eines schimpflichen Todes gestorben war. Wie konnte der Messias Leiden unterworfen sein? Der leidende Messias war für sie ein wichtiges Bedenken. Dieser Anstoß an Jesu mußte erst beseitigt werden, ehe seine Anhänger sich dem vollen Glauben an seine Messianität freudig hingeben konnten. Da mag denn ein Schriftkundiger unter ihnen sich und sie damit beruhigt haben, daß nach einer jesaianischen Prophezeiung, die auch jüdischerstets auf den Messias bezogen wurde (vgl. Jalkut zu Jesaias C. 53), über den Messias Leiden von Gott verhängt werden würden, damit er dadurch die Sünden des Volks tilge: „Er wird entrissen aus dem Lande der Lebenden und für die Sünden seines Volks erleidet er