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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 3-4 (1873) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
3-4 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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.Pilatus, vor den Jesus geführt wurde, fragte ihn nach der politischen Seite seines Auftretens, ob er als Messias sich als König der Juden ausgebe, und da Jesus darauf zweideutig erwiderte: „Du sagest es", bestätigte der Landpfleger einfach das Todesurtheil. Nur das war seines Amtes. Sagenhaft aber ist der Zug: Pilatus habe Jesus unschuldig befunden und ihn retten wollen, aber die Juden hätten auf seinem Tod bestanden. Wenn Jesus verhöhnt wurde und die Dornenkrone als Spott auf seine messianische Königswürde hat tragen müssen, so ging diese Rohheit nicht von den Juden, sondern von den römischen Kriegsknechten aus, die wohl froh waren, in ihm die jüdische Nation zu verhöhnen. Bei den jüdischen Richtern hingegen herrschte so wenig leidenschaftlicher Haß gegen seine Person vor, daß man (die römischen Soldaten!) ihm, wie jedem Verurtheilten, den Becher mit Wein und Weihrauch gab, um ihn zu betäuben und seine Todesschmerzen zu mildern. Nach dem damals üblichen Strafgesetze (dem römischen!!) soll ein wegen Gotteslästerung Verurtheilter zuerst gesteinigt und dann nach dem Verscheiden ans Kreuz genagelt werden. Gewiß ist Jesus auf dieselbe Weise hingerichtet worden, aber dann war er wohl vor der Kreuzigung bereits verschieden. Die christlichen Quellen aber wollen wissen, er sei lebend um 9 Uhr Vormittags gekreuzigt worden, und erst um 3 Uhr Nachmittags habe er seinen Geist ausgehaucht. Sein letztes Wort (?) sei ein Psalmwort in aramäischer Sprache gewesen: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen." Zum Hohn hätten die römischen Soldalten auf das Kreuz eine Aufschrift gesetzt: „Jesus von Nazareth, König der Juden." Die Kreuzigung und wahrscheinlich auch die Beisetzung der Leiche fand außerhalb der Stadt auf einem für Verurtheilte, bestimmten Begräbnißplatze statt, welcher den Namen Golgatha führte. 'Das war das Ende des Mannes, der an der sittlichen Besserung seines Volks gearbeitet und vielleicht das Opfer eines Mißverständnisses geworden war. Sein Tod wurde die wenn auch unschuldige Veranlassung von unzähligen Leiden und mannigfachen Todesarten der Söhne seines Volks. Millionen gebrochener Herzen und Augen haben seinen Tod noch nicht abgebüßt. Er ist der einzige Weibgeborene, von dem man ohne Uebertreibung sagen kann: Er

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