Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Mehl zu Speiseopfern. Wohl mag sich Jesus mit Entrüstung über den Mißbrauch ausgesprochen haben, daß der Tempelschatz Geschäfte treibe, und diese Aeußerung wird die Sage zu einer Thatsache umgestaltet haben. Ueberhaupt ist gerade der wichtigste Abschnitt seines Lebens, die Stellung, welche Jesus in Jerusalem dem Volke, dem Synedrium und den Parteien gegenüber eingenommen, ob er sich öffentlich als Messias ausgegeben hat, und wie dieses ausgenommen worden, in den Quellen in ein so undurchdringliches Dunkel gehüllt, daß man die sagenhaften Ausschmückungen und Ergänzungen gar nicht verkennen kann. Vorurtheile mögen allerdings in der Hauptstadt gegen ihn geherrscht haben. Von einem gesetzesunkundigen Galiläer hat der gebildete Theil des Volkes das messianische Erlösungswerk keineswegs erwartet; es verstieß gegen die Jahrhunderte lang gehegten Vorstellungen, den Messias aus Galiläa kommen zu sehen, während man ihn aus Bethlehem und dem Stamme Davids erwartete. Das Sprichwort: „Was kann aus Nazareth Gutes kommen", mag sich damals gebildet haben. Die Frauen nahmen allgemeines Aergerniß an ihm, weil er mit Sündern und Zöllnern Umgang gepflogen, mit ihnen gegessen und getrunken. Selbst die Johannesjünger, d. h. die Essäer, scheinen an seinem Heraustreten aus der Regel Anstoß genommen zu haben. Die Schammaiten mochte seine auch am Sabbath ausgeführten Heilungen verletzt haben. Sie konnten sich nicht einen Messias denken, der den Sabbath entweiht. Die Zeloten konnten nichts Großes von Jesu erwarten, weil er nur Friedfertigkeit predigte und seine Anhänger nicht mit glühendem Hasse gegen die Römer erstellte sondern sie, aus seiner Verachtung gegen den Mammon heraus, ermahnte, sich den römischen Steuern freiwillig zu unterwerfen: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers und Gott, was Gottes ist." Alle diese auffallenden Eigenthümlichkeiten, die man sich mit dem Messias nicht zusammen reimen konnte, ließen wohl den Mittelstand und die Angesehenen der Nation kalt gegen ihn, und er hat wohl keine freundliche Aufnahme in Jerusalem gefunden. Allein alle diese Aergernisse gaben noch keinen Grund zur Anklage gegen ihn, und 4