Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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47 War es Furcht, daß ihn Herodes Antipas, in dessen Gebiete er lehrte und lebte, dem Schicksal des Täufers überliefern möchte, oder wollte er erst einen größeren Kreis von Anhängern und Gläubigen um sich sammeln, um dann imposanter als Messias aufzutreten? Der wahre Grund wird sich nicht ermitteln lassen. Seine Jünger vertröstete er, daß die Zeit noch nicht da sei, aber es werde eine Zeit kommen, wo sie das werden im Licht mittheilen können, das er ihnen im Dunkeln gesagt, und sie werden dann das von den Dächern predigen können, was sie mit Ohren erlauscht haben. Allein es trat das Gegentheil von dem ein, was sowohl Jesus als seine Jünger erwartet hatten. Sobald es kundig geworden — die Jünger waren wahrscheinlich nicht verschwiegen— Jesus von Nazareth bereite nicht bloß das Himmelreich vor, sondern sei selbst der erwartete Messias, ward die öffentliche Meinung gegen ihn eingenommen. Man erwartete von ihm Zeichen und Beweise seiner Messianität, die er nicht geben konnte und er wich den Fragen aus. Viele seiner Anhänger sollen sogar ein Aergerniß an seiner Messianität genommen haben und von ihm abgefallen sein, ohne ferner „seines Weges zu gehn." Wollte er seinen Jüngern gegenüber sich keine Blöße geben, so mußte er etwas thun, um sein Werk zu krönen oder dabei untergehen. Sie erwarteten von ihm zunächst, daß er in der Hauptstadt des Landes, vor den Augen der ganzen Nation, wenn sie sich zum Passahfeste in dem Tempel versammelt, als Messias austreten werde. Es wird erzählt, seine eignen Brüder hätten ihn beschworen, nach Judäa zu gehen, damit seine Jünger sein Werk endlich sähen. „Denn Niemand thut etwas im Verborgenen, sondern will sich offenbar machen; wenn du solches thust, so offenbare dich der Welt." So mußte sich Jesus denn entschließen, den gefährlichen Weg anzutreten. Wie lange er in Galiläa gelehrt hat, ist nicht bekannt; die Hauptquellen wollen andeuten, daß seine Wirksamkeit im Ganzen nur ein einziges Jahr gedauert habe; so sehr waren ihnen die Begebenheiten entschwunden (!!). Nach Späteren habe sie indessen 3 Jahre gedauert. So wenig dachte Jesus damals daran, mit dem bestehenden Judenthume in Gegensatz zu treten, daß er, dem Gebrauche der Festreisenden