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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 3-4 (1873) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
3-4 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Himmels kam wie ein Menschensohn und gelangte bis zum Alten der Tage," welchen Vers man zu dieser Zeit gegen den Wortsinn auf den Messias bezog. Noch eine andere Benennung gebrauchte Jesus für seine Messianität, nämlich das verhängnißvolle Wort „Sohn Gottes", vermuthlich ebenfalls eine Anspielung auf den Psalmvers (2, 7): „Gott sprach zu mir: Du bist mein Sohn, ich habe dich heute geboren," das auch in jüdischen Kreisen vom Messias verstanden worden zu sein scheint. Hat Jesus diesen Ausdruck bloß bildlich für Messias oder im eigentlichen Wortstnne genommen wissen wollen? Er hat, soviel wir wissen, sich nie näher darüber erklärt, selbst später nicht, als er wegen desselben zum Verhör geladen und dafür verurtheilt wurde. Seine Anhänger waren selbst später über den Sinn des Wortes uneinig und die verschiedene Auffassung desselben spaltete sie in zwei Parteien. Noch andere, aber ganz unschuldige Benennungen, gebrauchte Jesus zur Bezeichnung seiner Messianität, wie „das Himmelsbrot (Manna)", „das Brot des Lebens," gewiß nicht minder geläufige Ausdrücke unter den Essäern. Seine Anhänger nannte er „das Salz der Welt." Wie Jesus die messianischen Erwartungen zu erfüllen gedachte, wird kaum angedeutet. Gewiß ist es, daß er nur an Israel dachte, welches er sowohl von den Sünden, als von dem schweren Joche der Römer erlösen zu können vermeinte. Luc. 24,21 (!!). An die Heidenwelt dachte Jesus als Christus ebensowenig wie früher als Johannes Jünger. Ohne Zweifel stellte er sich das Erlösungswerk Israels so vor, daß, wenn die jüdische Nation durch hingebende Liebe zu Gott und den Menschen, durch Selbstverleugnung und namentlich durch Uebernahme freiwilliger Armuth sich unter seiner Leitung zu einem höherem Leben erhoben haben würde, dann Gott seinerseits, der gewissermaßen auf das Entgegenkommen seiner Kinder harre, aus Liebe zu seinem Volke, alle jene Wunder, wie die Befreiung von der Fremdherrschaft, die Rückckehr der Zerstreuten, den davidischen Glanz Israels eintreten lassen werde, — ein schöner Traum, der nach 18 Jahrhunderten noch immer Traum geblieben ist. Als sich Jesus von seinen Jüngern als Messias anerkennen ließ, hatte-er ihnen, wie schon erwähnt, Geheimhalten anempfohlen.

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