Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Sprachgebrauch sieben schwere Laster ausgetrieben werden mußten. Er machte aus diesen verworfenen Sünderinnen reuevolle Büßerinnen. Es war dieses allerdings etwas Unerhörtes zur damaligen Zeit, daß ein jüdischer Lehrer mit Frauen und noch dazu von solchem Rufe verkehrte. Indessen wußte Jesus diese Sünder und Zöllner, diese verwahrlosten und unsittlichen Geschöpfe durch Wort und Beispiel zu sich zu erheben, ihren Sinn mit Liebe zu Gott erfüllen, „daß sie würdige Kinder des Vaters im Himmels seien", ihr Herz durch Innigkeit und Heiligkeit zu veredeln, ihren Lebenswandel durch die Aussicht „in das Himmelreich einzugehen" zu bessern. Das war das größte Wunder, das er vollbracht hat. Das waren die Tauben, die er hörend gemacht, die Blinden, denen er die Augen geöffnet, die Kranken, die er geheilt, die Todten, die er zum Leben erweckt hat. Die Sage, welche diese seine moralischen Wunderthaten in handgreifliche umgewandelt hat, glaubte ihn damit zu verherrlichen und hat ihn nur verkleinert. Ein Menschenbildner steht unendlich höher, als ein Wunderthäter. Jesus lehrte vor Allem seinen männlichen und weiblichen Jüngern die effäisch leidenden Tugenden der Selbstverleugnung, der Demuth, der Güterverachtung, der Verträglichkeit und Friedfertigkeit! Er stellte ihnen Kinder als Muster auf, daß sie so sündenrein wie diese werden, und eine Wiedergeburt an sich eintreten lassen mögen, um Mitglieder des im Anzuge begriffenen mefsianischen Reiches werden zu können. Das Gebot der Nächstenliebe und der Verträglichkeit steigerte er bis zur Selbstlosigkeit: „So dir Jemand einen Streich auf eine Wange gibt, so reiche ihm auch die andere hin, und so dir Jemand das Oberkleid nimmt, so gib ihm auch das Hemd." Die Armen lehrte er, nicht für Speise und Trank und nicht für Kleidung zu sorgen; er wies sie auf die Vögel des Himmels und die Lilien des Feldes hin, die ohne Sorgen genährt und gekleidet werden. Die Reichen lehrte er auf die rechte Art Almosen zu geben, „daß die Linke nicht wisse, was die Rechte thut." Den Verstockten gab er die Weisung, wie sie im stillen Kämmerlein beten sollten, und stellte dafür eine kurze Formel auf (Vater unser), die möglicher Weise bei den Essäern üblich war.