Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 3-4 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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An dem bestehenden Judenthume rüttelte Jesus keineswegs, er dachte gar nicht daran, Verbesserer der jüdischen Lehre zu werden, oder überhaupt etwas Neues zu stiften, sondern lediglich die Sünder für die göttliche Lehre, für Gottseligkeit und Lebensheiligkeit zu erziehen, und sie für die messtanische Zeit würdig zu machen. Die Einheit Gottes betonte er nachdrücklich und wollte nicht im Entferntesten an dem Gottesbegriff des Judenthums mäkeln oder ihn gar abschwächen. Als ihn einst ein Gesetzeskundiger ftagte, welches der Inbegriff des Judenthums sei, antwortete er: „Höre Israel, unser Gott ist einzig und du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst," das seien die Hauptgebote. Als ihn Jemand mit den Worten anredete: „Gütiger Lehrer," wies Jesus diese Anrede entschieden zurück und bemerkte dabei: „Nenne mich nicht gütig; nur Einer ist gütig, mein Vater im Himmel." Seine dem Judenthum treu gebliebenen Anhänger überlieferten von ihm die Aeußerung: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern dasselbe zu erfüllen. Eher würden Himmel und Erde vergehen, denn ein Jota oder ein Körnchen von dem Gesetz." Den Sabbath muß er heilig gehalten haben, delln seine dem Judenthume anhänglichen Jünger haben die Sabbathfeier streng beobachtet, was sie nicht gethan haben würden, hätte sich ihr Meister darüber hinweggesetzt. Nur gegen die schammaitische Sabbathsstrenge, nach welcher man nicht einmal am Sabbath heilen dürfe, eiferte Jesus und sprach sich darüber aus, daß es am Sabbath wohl gestattet sei, Gutes zu thun. Gegen das bestehende Opferwesen hatte Jesus nichts einzuwenden, er verlangte lediglich, wie eS auch die Pharisäer nicht anders lehrten, daß Aussöhnung mit den Menschen der Versöhnung mit Gott vorangehen müsse. Selbst das Fasten verwarf Jesus nicht ganz und gar, sondern wollte es ohne Schaustellung und Scheinheiligkeit geübt wissen. Er stand so «ganz im Judenthume, daß er sogar die Beschränktheit der damaligen Zeit theilte, die Heidenwelt — unter welcher man sich damals die knechtenden Römer und ihre noch schlimmeren Helfershelfer, orientalische Griechen und Syrer vorstellte — gründlich zu verachten. Er wollte mit den Heiden nichts zu thun haben. „Man sollte nicht das Heilige den Hunden, die Perle nicht den