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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 3-4 (1873) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
3-4 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ein wildes Leben führten, unbekümmert um Vergangenheit und Zukunft. Es gab unwissende, niedrige Handwerker und Knechte (Amia-Arez), welche selten Gelegenheit hatten, nach der jüdischen Hauptstadt zu kommen, dm Tempel in seiner erhebenden Herrlichkeit zu schauen, oder die Lehre des Judenthumö zu vernehmen, und wenn vernommen, sie nicht verstanden. Für diese hatte der Sinai nicht geflammt, die Propheten nicht geeifert; denn die Gesetzeslehrer, mehr mit dem Ausbau der Ueberlieferungen, als mit Belehrung beschäftigt' machten ihnen Gesetz und Propheten nicht verständlich, führten sie nicht in deren Gesichtskreis ein. An diese Volköklassen wollte sich Jesus wenden, um sie aus der Verdumpfung ihrer Gottvergessenheit und Unwissenheit, aus dem Schmutze ihrer Lasterhaftgkeit, aus ihrer Entfremdung von Gott und feinem Gesetze herauszureißen. Er fühlte in sich den Beruf, „die verlorenen Schafe des Hauses Israel zu retten." „Die Gesunden, d. h. die Gesetzeskundigen und Gesetzesbeflissenen brauchen den Arzt nicht," so äußerte er sich offenherzig, „sondern die Kranken, damit keins von den Geringsten verloren gehe" — gewiß ein edler, ein hoher Beruf. Indem Jesus auf diese Weise seine Wirksamkeit auf einen bestimmten Kreis beschränken wollte, konnte sie nach menschlicher Berechnung eher Erfolg haben, als die Johannes des Täufers, der seine Verkündigung unbestimmt in die Wüste hineinschrie. Auch in einem anderen Punkte unterschied sich Jesu Wirksamkeit von der des Täufers. Während dieser das Volk zu sich rief und cs jedem überließ, dem Rufe zu folgen oder auch nicht, ging Jesus dagegen an die Besserungsbedürftigen heran, um sie an sich heranzuziehen und sie für die Wahrheiten, die er zu verkünden hatte, durch Wort und Beispiel empfänglich zu machen. Von dieser hohen Aufgabe ganz erstellt, das niedrige, sündhafte, gesetzesunkundige, gottvergesseneVolk vermöge der halbessäischen Lebensweise zur Buße und zur Vorbereitung für die nahe Messtaszeit zu erwecken, trat Jesus zuerst in seiner Geburtsstadt Nazareth auf. Aber hier, wo man ihn von Kindesbeinen an kannte und sich wohl an Frömmigkeit ebenbürtig, an Gesetzeskunde dem Zimmermeistersohn überlegen fühlte, fand er nur höhnische Verachtung. Als er in der Synagoge

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