Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 1-2 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 zu haben scheinen, so daß man nun wohl hoffen darf, die Sclaverei werde über kurz oder lang völlig unterdrückt sein. Auf allerlei Weise ist das Christenthum der Pionier der Civilisation und der Stifter socialen Wohlbefindens und Friedens gewesen. Allerdings haben viele Christen auS christlichen Ländern den Colonien, welche sie gründeten, weder Wohlbefinden noch Frieden noch Civilisation gebracht; aber das geschah, weil sie christliche Länder verlassen und ihr Christenthum nicht mitgebracht halten. Oft haben sie in der Thal heidnische Länder nur verwüstet und heidnische Stämme unterdrückt; und das Christenthum, das ihnen folgte, hatte das Uebel ungeschehen zu machen, welches durch abtrünnige Christen verursacht war. Dennoch können wir Jedermann auffordcrn, uns ein einziges Beispiel zu nennen, ob sich in unseren heutigen Zeiten die Civilisation an einer Stelle verbreitet hätte, zu der das Christenthnm vorher nicht seinen Weg gefunden. Wir dürfen Jeden auffordern cs zu bestreiten, daß, wo das Christenthum verlassen oder mißachtet war, da statt seiner, wie in dem Frankreich der Revolution, Grausamkeit, Zügellosigkeit und gesellschaftliche Entartung eintrat. Das Christenthum ist sodann, gering gesagt, der Entwickelung des Geistes, der Pflege der Wissenschaften, dem Fortschreiten aller Kenntnisse günstig gewesen. Leicht kann man natürlich sagen, daß unter Christen oft Versuche gemacht worden sind, den Fortschritt des Wissens aufzuhalten, und noch häufiger ein panischer Schrecken über die unerwarteten Entdeckungen desselben stattfand. Es ist leicht auf Galilei hinzuweisen, leicht von den Geschicken der Geologie in der früheren Zeit dieses Jahrhunderts und von der Aufnahme, die jetzt Darwins Theorie findet, zu sprechen. Was Galilei betrifft, so dürfen wir wohl behaupten, daß die Inquisition nicht den christlichen Glauben repräsentirt. Aber es ist unnöthig zu leugnen, daß ein gewisser Schein des Wibersprucheö zwischen Glauben und Wissen, zwischen Glauben und literarischer Kritik, furchtsame Gläubige leicht erregt, und deshalb zu zeitweisen Mißverständnissen zwischen Christen und den Männern der Literatur und der Wissenschaft führen kann. Doch sehe man auf die frühere Geschichte und sage, ob nicht die Wissenschaft, die Literatur und Philosophie ihre einzige Herberge in der Kirche fanden, ja selbst unter dem tiefsten Schatten ihrer Cathedralen und Klöster. Als die ganze übrige Welt ungebildet und unwissend war, blühte die Wissenschaft unter den Schulleuten: Philosophie und selbst Physik wurde, soweit es damals möglich war, von den Männer der Kirche und den Theologen betrieben. Der Name Roger Bacos steht vor Aller Augen als der Name eines Mannes, der in der Zelle eines Klosters und in der Kutte eines Mönches die physikalischen Forschungen zu einer Höhe führte, die, in Anbetracht seiner Zeit und der Schwierigkeiten, die ihm entgegenstanden, sich