Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 1-2 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2554541-2554805-2554807--05907-2561878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
21 nisatioil die Kirche in eine feste Phalanx verwandelte, die sicher war, ihren Weg durch die Reihen der wildesten Feinde zu finden. Sehr wahr. Die Einrichtung der ersten Kirche mit ihren Bischöfen, Priestern, Diakonen und Diakonissen in jeder Stadt und Vorstadt, mit ihrer festen und ungebrochenen Einigkeit überall in der Welt, soweit sie dieselbe gewonnen hatte und zu gewinnen im Begriffe stand, war ohne Zweifel eine Organisation, ein Freimaurerbund, eine geheime Gesellschaft, wenn man will, welche die möglichst beste Maschinerie für die Erhaltung und die Verbreitung ihres Glaubens bildete. Ist es nicht ein Zeichen der übermenschlichen Weisheit ihres Gründers, daß er nicht allein das große Geheimniß des Lebens lehrte, sondern daß er auch die Mittel ersann, durch welche dieses Geheimniß bewahrt und den Menschen zugeeignet werden könnte. Ich muß hier einen Augenblick bei einer der schwersten Fragen, die in manchen Gemüthern über die Fortschritte des Christenthums entsteht, verweilen. Zugegeben, daß sein Fortschritt im Anfänge ein rapider war, so entsteht doch das Bedenken, warum hat derselbe seitdem immer einen so langsamen Verlauf genommen? Wenn es das große Heilmittel für die menschlichen Leiden und der große Beförderer der menschlichen Tugend und Sittlichkeit ist, warum gebot dann sein göttlicher Urheber, falls er nämlich göttlich ist, nicht, daß es seinen Weg auf einmal überallhin nehmen und nirgends zu irgend einer Zeit fehlen sollte? Ich will das ernste Gewicht dieser Frage gern einräumen. Ich zweifle, ob es ein größeres Geheimniß im Zusammenhänge des Glaubens an Christum gibt. Es wurde diesem Glauben von Lord Herbert von Cherbury, vielleicht dem bedeutendsten der Deisten des letzten Jahrhunderts, entgegengehalten, und hat seitdem sowohl manchen gläubigen, als manchen zweifelnden Geist ernstlich beschäftigt. Wir fühlen ganz natürlich, daß eine Religion, deren Gedanke es ist, alle Menschen zu retten, auch allen bekannt gemacht werden sollte. In den wenigen Worten, die ich jetzt hierüber sagen kann, mache ich nicht den Anspruch, alle Geheimnisse aufztlhellen; ich kann nicht alle Geheimnisse in den Thaten und in den Willensentscheidungen Gottes aufdecken. Nur daran wollte ich zuerst erinnern, daß dies jedesfalls nur ein Beispiel von