Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 1-2 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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13 stand darin, nichtswürdig zu sein und eben daher denn auch unglücklich. In der ganzen Menschheit ließ sich ein Seufzen nach irgend Einem, das sie von der äußersten Erschöpfung, der Folge einer Sinnlichkeit, die dicht an schweres Leiden grenzte, von ihrem Banquerutt an aller Sittlichkeit, von ihrer gesellschaftlichen und politischen Entwürdigung erretten könnte, vernehmen. Judäa selbst, wo Gott noch anLebetet wurde, bildete keine Ausnahme von der allgemeinen Regel, obgleich es noch nicht ganz bis zu der Tiefe des kaiserlichen Rom gesunken war. Und waö soll man von der Philosophie sagen? Sicher konnte es nie eine bessere Prüfung für ihren Werth geben. Die größten Moralphilosophen, welche die Welt jemals kannte, Socrates, Plato, Aristoteles hatten in Athen ihre Lehren verkündigt. Der Wiederhall ihrer Worte erreichte Rom und tönte durch die ganze civilistrte Welt. Ohne Zweifel schätzte man ihre Lehren, ohne Zweifel waren sie den wenigen Denkenden werth, aber der Erfolg, den sie auf die Menge hervorbrachten, ist sehr wahr von Ovid beschrieben: «Ich sehe das Bessere und billige es, aber dem Schlechteren folge ich." Ein Salz für die Gesellschaft war nicht gefunden worden, denn die Gesellschaft athmete Fäulniß aus und war durch und durch verdorben. Da stellte Jesus Christus ein Heilmittel vor die Augen hin, und das war Er selbst. Man kann es nicht zu nachdrücklich sagen und zu fest dem Gedächtniß einprägen: Das Christenthum ist Christus. So lehrte er; so seine Jünger nach ihm; nicht ein Gesetz, nicht eine Theorie, nicht einen Codex moralischer Lehren, nicht ein System der Casuistik, selbst nicht eine ausgearbeitete Theologie, sondern „sie hörten nicht auf zu lehren und zu predigen Jesum Christum." Und das beftiedigte die menschlichen Bedürfnisse. 1) Die Moraphilosophie machte immer nur auf einige wenige Gemüther Eindruck. Ein strenges Gesetz, wie das des Moses oder wie die Gesetze Roms, mögen den Leidenschaften eines Menschen einen Zaum anlegen und sie im Zügel halten, daß sie ihn nicht