Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 1-2 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottheiten wären, meinten nichts dem Gleiches. Ihre Götter waren selbst nur vergötterte Menschen oder personificirte Naturkräste. ES war leicht mythische Geschichten über ihre leibliche Erscheinung oder ihr« irdische Liebe oder über ihre irdische Nachkommenschaft zu machen. Oder, um von etwas Größerem, obgleich vielleicht weniger Poetischem zu sprechen, die großen pantheistischcn Religionen gaben bereits der Vorstellung Raum, daß es in jedem empfindenden Wesen einen Funken der Gottheit gäbe, und daß dieses daher sich mehr und mehr zu Gott hinentwickeln könnte. In ihnen ist aber Gott in der That nur das allgemeine Princip des Lebens und der Erkenntniß, welches das ganze Universum durchzieht; es ist an einem Ort dunkler, an dem anderen Heller vorhanden; hier mag es fast in Finsterniß enden, und dort in Licht des Himmels und der Herrlichkeit ausbrechen. Aber es ist keine Person, höchstens eine unpersönliche Kraft. Es mag deshalb in dem Stier Apis wohnen, in dem Lama von Tibet seinen Sitz nehmen, im Buddha zur höchsten Erkenntniß erwachsen. In keinem von ihnen ist eö wirklich Gott. ES ist nur die Verkörperung und das Auflodern eines Funkens des göttlichen Wesens, aber nicht ein lebendiger, denkender, wollender Schöpfer des All, und nicht der Herrscher über alle Dinge. Jesus Christus aber, als er auf Erden war, lebte unter dem einzigen Volke der Erde, welches eine klare Vorstellung von einem großen und persönlichen Gotte hatte, der ebenso Einer und persönlich sei, wie jeder einzelne Mensch, da der Mensch gerade nach dem Bilde Gottes geschaffen sei. Jesus Christus lebte unter einem Volke, welches diesen einzigen persönlichen Gott für so groß und schrecklich erachtete, daß es sich auch nur seinen Namen auszusprechen fürchtete, nämlich den Namen, durch welchen er sich selbst sonderlich offenbart hatte; denn sie dachten, daß dieser Name, falls menschliche Lippen ihn aussprächen, Himmel und Erde erschüttern würde. Dennoch war es dieses große, einzige, unmittheilbare, unaussprechbare Wesen, dessen Sohn Er selbst sich nannte, dessen Wesen selbst Er für sich in Anspruch nahm. Man sage nicht, daß er in einem Augenblicke kam, wo sich alle jüdischen Hoffnungen auf himmlische Gesandte concentrirten, welche sie erlösen und wiederhersüllen sollten; daß er deshalb allein in ihren