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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 1-2 (1873) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
1-2 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 liebt ist. In der That entstand eine neue Art von Patriotismus, die ich nachher vielleicht berühren werde; aber kann Jemand unseres Herrn Klagen über Jerusalem hören, oder Pauli Aeußerungen über das Verlangen seines Herzens für Israel, kann er seinen Wunsch hören, der säst bis dahin geht, daß er selbst möchte verloren gehen, wenn er Jene retten könnte, und dann noch behaupten, daß der Patriotismus nach seinem wahren Wesen in dem Herzen Jesu oder in den Gefühlen seiner treusten Nachfolger erstickt wurve? Doch, was sonst auch Besonderes und AuönahmsweiseS in der Lehre Christi gewesen sein mag, hauptsächlich unterscheidet ihn von allen anderen Lehrern dies: Moral-Philosophen wie SocrateS hielten sich selbst immer im Hintergründe. Die Philosophie war Alles, SocrateS nur der demüthige Schüler, der sich der Wahrheit gegenüber gar schwach fühlte, Propheten jeder Religion — Moses, Zoroaster, Muhamed sprachen alle das Wort, welches Gott in ihren Mund legte. Er war Alles, und sie waren im besten Falle seine geehrten Unterthanen und Diener. Aber Jesus Christus, der Sanstmüthige, der Gelinde, der Demüthige, der Selbstlose, der sich Selbstverleugnende, der Sichselbstopfernde stellte sich selbst nicht blos als das Vorbild des Lebens, sondern bot Sich selbst als den Gegenstand des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung, des Gehorsams, der Hingebung, der Aufopferung, der Verehrung, der Anbetung dar. Es ist unmöglich dies abzuleugnen, ohne jede christliche Erinnerung in Stücke zu reißen. Man hat eingewandt, wie ich wohl weiß, daß dies kein Theil der ursprünglichen Lehre Christi war, daß es nach seinem Tode unter den ihm ergebenen Anhängern entstanden sei, die auf ihn als auf ihren geliebten und verlorenen Freund und Lehrer zurückblickten, allmählich ihn mit göttlichen Attributen bekleideten und ihm göttliche Ehre erwiesen. Insbesondere meint man, daß die Schriften des Johannes, oder vielmehr die Schriften, welche man im: zweiten Jahrhundert dem heiligen Johannes fälschlich zugeschrieben, und die späteren dem Paulus angedichteten Briefe diesen überspannten Glauben genährt hätten. Ich kann den Beweis der Echtheit dieser letzteren Schriften wohl denen überlassen, die sich vor mir so geschickt und ausführlich mit ihnen beschäftigt haben, und möchte

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