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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 1-2 (1873) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
1-2 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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6 wir seinen Anklagen derselben vor den Jüngern. Eng damit hing der Nachdruck zusammen, den er auf die Reinheit der Gedanken legte. Gewicht und Nachdruck auf die äußere Lebensführung zu legen, war ihm zu wenig; das würde wahrscheinlich zu einem oberflächlichen Charakter, zu der befürchteten und so ernst verklagten Heuchelei führen. Aus dem Herzen kommen böse Gedanken und böse Worte und böse Thaten. Die Axt muß an die Wurzel des Baumes gelegt werden. Mache den Baum gut, so wird seine Frucht gut sein. Der Lust zum Bösen Raum zu lassen, heißt Böses thun. Sodann: es gab rechtviel theilweise Gutes. Die Heiden und selbst die Juden hatten einen glühenden Patriotismus gelernt, aber, wie mit seinem alter ego, war er mit einem brennenden Haß gegen die Landeöfeinde verkettet, der in Palästina niemals heftiger war, als zu der Zeit, da Jesus dort lehrte. Und dies Princip der Liebe zu den Landsleuten und des Hasses gegen die Fremden drang überdem in das Privatleben ein. Es war ein feststehender Grundsatz: ,,daß man seine Nächsten (Volksgenossen) lieben und seine Feinde hassen sollte." Nie zuvor waren die Worte klar auf Erden ausgesprochen: „Ich sage euch, liebet eure Feinde." Unvollkommen, krankhaft und schwach, wie sie ausgeführt worden sind, haben sie dennoch in der Thal das ganze menschliche Denken uMgestürzt. Es hieß nicht blos „schonet eure Feinde," nicht allein „vergebet euren Feinden," sondern „liebet eure Feinde." Gleich Allem, was er lehrte, sollte es seinen Sitz in der Tiefe des Herzens haben. Für jeden Christen war es wesentlich/ daß er jedem seiner Brüder von Herzen seine Uebertretungen vergäbe. Christi Lehren ist der Vorwurf gemacht worden, daß sie das Princip der heroischen Tugend unterminirten, und jeden thätigen Patriotismus in eine träumerische Philanthropie auflösten. Der Vorwurf ist falsch. Seine Lehre war von aller Träumerei oder Krankhaftigkeit so fern als Möglich. Das Wohlwollen, das er lehrte, war wie das seine, thätig und energisch; es beschäftigte sich, wie das ein jedes praktische Ding muß, zuerst mit dem, was am leichtesten und natürlichsten in seinen Bereich kam, aber es erstreckte sich alsdann auf jedes geschaffene Wesen, das ja von demselben Gott gemacht und von dem gemeinsamen Vater ge-

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