Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 29 (1873)
- Issue
- 1-2 (1873)
- Date
- 1873-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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A an Einen, den sie gekannt und geliebt hatten, zu verlieren. Man kann sich unmöglich etwas Einfacheres oder eine einfachere Darstellungsweise als die ihrige vorstellen — und noch unmöglicher ist es, etwas zu erdenken, das sich von der so allgemein verbreiteten Rhetorik oder Ausmalerei oder Effecthascherei ferner gehalten hätte, als jene Darstellung des Charakters Jesu Christi. Manche haben von ihm geredet, als sei er an erster Stelle nur ein politischer Reformer, ein Demagog, der zu einer Klasse von ungewöhnlicher Selbstlosigkeit gehörte, gewesen. Nun in der That, seine Jugend in ihrer Zurückgezogenheit, fern vom Auge der Menschen, seine edle und vollendete Manneswürde, seine ruhigen, würdevollen und leidenschaftslosen Worte sind im Ton und Charakter das gerade Gegentheil von dem, was wir jemals von den edelsten Demagogen oder den reinsten politischen Führern gehört haben. „Er ging umher und that wohl", das scheint fast der Inhalt seiner Geschichte zu sein. , Er war sanftmüthig und von Herzen demüthig", das scheint fast vollständig seinen Charakter zu schildern. Die unermüdlichste Energie, die geduldigste Ausdauer, das zarteste und herzlichste Wohlwollen treten uns in jeder That und in jedem Worte Christi entgegen. Und doch war nichts Schwächliches, nichts Weibisches, nichts Sentimentales an ihm. Einfältig wie das trauteste Kind, war er voll Heldenmuthes wie der tapferste Krieger. Wie das zarteste Weib um die Elenden und Leidenden weinend, wies er mit unbeugsamer Strenge die Gemeinen, die Grausamen und die Heuchler ab. Bei einer vollkommenen Fleckenlosigkeit der Gedanken und des Lebens besaß er dennoch ein so reiches und tiefes Mitleid, daß selbst der Auswurf der Menschen zu ihm kam, um Hilfe und Rath zu erlangen, und er verstieß sie nie. Er schreckte nicht davor zurück die Aussätzigen zu berufen, und der aussätzige Sünder ging von ihm als ein neuer Mensch, mit einem neuen Herzen und einem neuen Leben hinweg. Aber die Geizigen, die Stolzen, die Treulosen und die aus der Religion ein Geschäft machten, strafte er mit Worten, welche eine neue Sprache im Christenthum geschaffen haben; Schriftgelehrte, Pharisäer, Heuchler, das sind für uns nicht länger Schreiber von Gesetzen, Glieder einer religiösen Gesellschaft in Pa- 1*