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Dibre Emeth · 1873-01-01 · 1-2 (1873) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
29 (1873)
Issue
1-2 (1873)
Date
1873-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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s Jemand, der sich in gemäßigter Weise auf seine Vernunft beruft, zweifeln kann. Was ich im Voraus annehme, ist nur dies, daß wir in der Geschichte einen allgemeinen Umriß des Lebens und der Lehre Jefu Christi besitzen, und daß eben dieser Umriß mit dem übereinstimmt, was wir in den drei ersten synoptischen Evangelien lesen. In der That ist hierüber kein zwiespältiger Bericht und keine sich widersprechende Ueberlieferung unter den früheren Christen, den früheren Heretikern und den gleichzeitigen Heiden vorhanden. Ueberall finden wir ein und dasselbe. Das eine Bild mag ausgeführter, farbenreicher und besser ausgestattet als das andere erscheinen, aber die Züge und Lineamente gehören unverkennbar einem und demselben Namen an. In all den Lebensbeschreibungen, den Briefen, den Ueberlieferungen, und es giebt ihrer viele, ja ungewöhnlich zahlreiche, voller Abwechselungen, wenn auch nicht gerade Verschiedenheiten — finden wir nichts, das dem völligen Auseinandergehen gliche, welches wir bemerken müssen, wenn der Charakter des Socrates von seinem Schüler Tenophon, oder wenn er von seinem anderen und berühmteren Schüler Plato gezeichnet wird. Dem Berichte in den drei ersten Evangelien wird von dem vierten nicht widersprochen, ebensowenig von der Apostel-Geschichte, von den Briefen der früheren Jünger, von den Ueberlieferungen, die Männer wie Papias einige 70 Jahre nach den Ereignissen gesammelt haben, von dem allgemeinen Glauben der späteren Zeiten, oder von den wenigen Notizen, die wir in den Schriften der Feinde und Ungläubigen finden. Ich bitte mir dann im Allgemeinen die Wahrheit der Geschichte Jesu, wie sie uns von Mathäus, Marcus und Lucas überliefert ist, ebenso einzuräumen, wie man es auch im Allgemeinen bei gewöhnlichen Menschen thun würde, selbst wenn wir hier und dort jene Männer für abergläubische Menschen halten sollten. I. Betrachten wir zunächst den Charakter Christi, wie er uns dort beschrieben wird. Zuerst wage ich zu behaupten, daß er uns das vollkommenste Bild höchster Einfachheit, das jemals gezeichnet ist, darstellt. Die Evangelien scheinen im besonderen Grade Bemerkungen zu lieben, welche sie aus dem Gedächtnisse von Leuten überkamen, die äußerst sorgfältig darauf achteten, keine Erinnerung

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