Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 11-12 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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181 Mangels an sicheren Grundanschauungen. Wie der Talmud das Ja und Nein seiner streitenden Kinder für gleiche Wahrheit Märt, so begegnen wir in den meisten Schriftwerken der Juden einer ganz ähnlichen Erscheinung. Niemand scheut die ärgsten Selbstwidersprüche weniger; Niemand zeigt bei aller mathematischen, juristischen - und dialektischen Art des Denkens und Redens eine solche innere Zerfahrenheit. Es fehlt dem Wissen und Erkennen die innere sichere Grundlage. Das Fremde wird herübergenommen und angeeignet, aber es ist eben nicht auf dem eigenen Boden erwachsen und schlägt darum nicht feste Wurzeln im anderen Erdreich. Das Zwitterartige in dem ganzen Wesen der zerstreuten Juden ist auch eine der allerseltsamsten Erscheinungen auf dem Boden der Geschichte. Hier wollen sie Juden, dort Angehörige und Glieder der anderen Völker sein; hier wollen sie die alte Religion und den alten Cultus festhalten und dort wieder bald taldmudisch, bald reformistisch den anderen Verhältnissen Rechnung tragen; hier wollen sie in sich selbst alle Erkenntniß, in ihrer Mitte den Quell aller Weisheit finden, dort sind sie begierig, sich alles anzueignen, was alle Zeiten und Völker ihnen bieten. Sie strecken nach Allem ihre Hände aus und nichts ist ihr wirkliches Eigenthum. Das hat daher auch ihrem ganzen Wesen jenen Typus aufgedrückt, den uns das Bild des ewigen Juden darstellt. Diese äußere und innere Haltlosigkeit und Unsicherheit der Juden, dieses aus einem Extrem in das andere fallen, dieser Wechsel von anmaßendem und verzagtem Wesen, dieser Mangel an sicherer Ruhe und Takt, sollen nun aber nicht blos eine geschichtliche Erscheinung vor den Augen der Völker bleiben, sondern sie sollen den Juden selbst zuletzt mit aller Gewalt auf die eigenen Herzen fallen. Die Länge der Zeit wird den Eindruck der Thatsache auf sie nicht für immer vernichten, sondern wie er die Juden schon auf die gegenwärtigen Wege geführt hat, so soll er sie zuletzt dahin führen, daß sie, an aller anderen Abhilfe verzweifelnd, zurückkehren und den alten Gott und seinen Gesalbten aus dem Hause Davids suchen. Während also ihr gegenwärtiger Sinn sie nach vom hin zu blicken treibt, entweder auf einen noch zukünftigen Messias oder