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Dibre Emeth · 1872-01-01 · 11-12 (1872) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
28 (1872)
Issue
11-12 (1872)
Date
1872-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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m Die Erkenntniß muß vor Allem in ihre Herzen kommen , daß sie kein Opfer haben, kein Sühnemittel, das ihnen die Vergebung Gottes schaffte.- Die selbsterdachten Opfer: das Verdienst der Väter, die eigenen Almosen oder Legate und milden Stiftungen,? die pünktlich gesprochenen Opfergebete und andere Gebete, die Befolgung talmudischer Ritualvorschriften dürfen sie nicht länger, in der Täuschung erhalten, als leistete das Alles einen Ersatz für die von Gott selbst geordneten Opfer. Aber auch die anderen Heiligthümer, welche an die Stelle der heiligen Bauten der talmudischen Orthodorie treten, mögen es nun prächtige Synagogen sein oder mögen dieselben zu den Höhen gehören, auf denen die moderne Welt ihren Cultus der Selbstanbetung treibt, müssen sich zuerst vor ihren eigenen Augen in ihrer trostlosen Nichtigkeit darstellen. Also der Prophet verlangt von den zerstreuten Juden nicht weniger > als daß sie erkennen, wie eö mit all ihrer Religion, sie trage einem alten oder einen modernen Namen, nichts ist. Das Religionsvylk muß dahin kommen, daß es wisse, es habe vollständigen religiösen Schiffbruch gelitten, sei weder Jude noch Heide. Und das Gleiche gilt von allem ihren Wissen und Erkennen. Die Juden der Zerstreuung sollen alle Culturen und Wissenschaften der Nationen, unter denen sie leben, kennen lernen; aber sie sollen an ihnen allen die gleiche Erfahrung machen, welche sie der göttlichen Führung und Unterweisung gegenüber haben machen müssen. Sie haben der eigenen Stimme mehr gehorcht als dem Geiste der Weissagung und der Propheten, darum redet Gott zu ihnen nicht mehr durch dieselben. Für kein Volk der Erde ist das Alte Testament ein so versiegeltes Buch als für die Juden; wie verhältnißmäßig wenig Bleibendes haben sie beispielsweise zur Erklärung desselben beigetragen, und wie hat vielmehr die. christliche Theologie sie darin so weit überflügelt. Wenn wir aber ihre Anlehnung an die Cultur oder die Wissenschaft der Völker betrachten, so sehn wir sie jeder Zeitströmung verfallen; Selbstständigkeit und Originalität geht ihnen durchaus ab. Eben deshalb macht z. B. auch die gesammte Literatur der Juden seit ihrer Verbannung auf uns so ungemein den Eindruck der Zerrissenheit, des Umhertappens und des auffallendsten

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