Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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m genommen An den Sonntagen war oft eine wahre Wallfahrt nach Nonnenweier, besonders von umwohnenden Landleuten, und die langen Anstaltstische mußten öfter zweimal gedeckt werden. Dabei hatten gar Viele der Komnienden ihr Herz „der Mutter Jolberg" auszuschütten, und die Zahl derer, die ihr Gebet und ihre Fürbitte suchten, war sehr groß. Sorgen fehlten allerdings auch nicht. Die Luft in der Rheinebene war nicht gesund; das Nervenfieber besonders in Ronnenweier einheimisch, und die Krankheitsnoth hörte in der Anstalt nie auf. Die Arbeitslast war überdem fast erdrückend; denn nicht blos das Mutterhaus, sondern die mit jedem Jahre zunehmenden auswärtigen Stationen wollten bedacht sein. Die Correspondenz wuchs lawinenartig; ein großes Hinderniß waren für F. I. dabei ihre Finger, die in den fünfziger Jahren steif zu werden anfingen. Bei den Unterrichtsstunden, den Besuchen und Allem, was sonst der Tag mit sich brachte, konnte sie häufig erst die späten Abend- oder die ganz frühen Morgenstunden zum Briefschreiben verwenden. Schon das Lesen der eingegangenen Briefe erforderte viele Zeit; manchmal ließ sie sich , dieselben vorlesen, wenn sie sich nach dem Essen ein wenig zur Ruhe gelegt hatte. Da bekam sie aber oft so schwere Anstaltssorgen aufgeladen, daß es mit der Ruhe aus war; und häufig ging es ihr auch mit der Nachtruhe so. Wenn betrübende Nachrichten oder sonst etwas Schweres kam, fuhr sie mit der Hand über die Stirn und sagte dabei: „Ach, du liebster Gott!" Damit war es in der Regel auch wieder weg, so daß die Anstaltsschwestern oft sagten: „Mutter hat es wieder weggewischt", worüber sie dann herzlich lachte. Alle Anliegen, besonders die Besetzung der Stellen legte sie im Gebet ihrem Herrn vor, und oft, wenn die Berathungen zu keinem Ziel geführt hatten, sagte sie am andern Morgen: „Diese Nacht habe ich im Gebet Aufschluß bekommen, wen wir dahin thun wollen", und es war immer das Rechte. Von besonderer Wichtigkeit wurden die Ronnenweieret KinderschristeN. Die jüngere Tochter der Frau Jolberg, Emma, hatte die Gabe, in zarter, poetisch-lebendiger und ergreifender Weise Erlebtes, sei es Eigenes oder von anderen Mitgetheiltes, für Kinder und