Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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140 kindliche Gemüthe darzustellen. Eine rührende Thatsache, wie ein kleiner verlassener Waisenknabe sich in seiner Noth brieflich an den Heiland.wendet und ihm dadurch ein Weg zur Hilfe bereitet wird, war ihr erster derartiger Versuch. Diese kleine Geschichte, von der Evangel. Gesellschaft in Straßburg gedruckt und herausgegeben, fand eine so günstige Aufnahme, daß die Gesellschaft die Herausgabe noch anderer veranlaßt. Lithograph Kaufmann in Lahr versorgte die Büchlein mit netten Bildern aus farbigen Umschlägen. Später erschienen sie in der Buchhandlung von Berger-Levrault zu Straßburg und zuletzt bei Friedrich Gutsch in Karlsruhe. Die Büchlein haben unendlichen Segen gestiftet; sie sind für Manchen der Wegweiser zu einem necken Leben geworden. Obwohl für nur einen Kreuzer das Stück verkauft, halfen sie mit die auf dem Anstaltshause zu Leutesheim ruhenden Schulden decken. Bis zum Tode der Frau Jolberg sind 70 Nummern dieser Schriftchen erschienen; sie sind hernach sogar ins Französische, Schwedische, Lettische und Esthnische übersetzt worden. Die letzte Auflage eines Kinderbüchleins betrug 800,000 Ezemplare; ein gedruckter lieblicher Brief von Frau Jolberg an die Kinder wurde ihnen beigegeben. Den Schwestern setzte sie eine kleine Anweisung fiir den Anschauungsunterricht auf. Als Unterrichtsregel aber stellte sie ihnen fest: „Aller Unterricht soll auf der Erde beginnen und im Himmel enden!" Wenn so Frau Jolberg den Lehrerinnen ihren Beruf sehr hoch und wichtig machte, war sie doch weit entfernt, von demselben klösterliche Anschauungen zu haben. Viele der Lehrerinnen verheiratheten sich; sie hatte aber durchaus nichts dagegen, wenn sie die Zuversicht haben konnte, daß die Wahl hin und her eine richtige gewesen sei; und insbesondere war es ihr eine Freude, wenn Schwestern, die eine längere Zeit treu gearbeitet hatten, auf diese Weise versorgt wurden. Auch ihre jüngere Tochter, 20 Jahre ihre treueste Stütze in dem aufreibenden Amte, verheirathete sich. Dennoch dachte die zu der. Zeit nun bereits 60 Jahr alt gewordene Frau nicht an ein AuSruhen. Zeller aus Beughen hatte einst zu ihr gesagt: „Sie und ich wollen stehend sterben" und das Wort war ihr aus der Seele gesprochen. — Ihre Freunde schloffen sich nun um so näher an sie an,