Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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jetzt die Mädchen den Hausverständ." „Dem tieferblickenden, unbefangenen Bemtheiler wird es nicht entgehn, daß wir immer mehr von der Ordnung Gottes abweichen, welche das Weib in die Verborgenheit des Familienlebens, in die dienende Liebe als Gehilfin ihres Mannes, als Mutter ihrer Kinder, zum Lernen in der Stille hinweist, zum Maria- und auch Martha-Sinn. Wir verlieren die Einfalt und kommen in die Vielfältigkeit, werden äußerlich statt innerlich ... von Klein auf sollten wir unsere Kinder anleiten. LiebeS- Augen, Liebes-Ohren, Liebes-Herzen und Liebes-Hände zu bekommen .. . das Fachwerk des Wissens ist es nicht, was unserem Geschlecht noththut, sondern eine ineinandergreifende, mehr durch Hervorrufung dessen, was als Naturanlage in uns liegt, wirkende Unterrichtsweise, durch Lesen, Besprechen, Anwenden auf das Herz." Und im Hinblick auf die Ueberladung der Kinder rief fie wohl aus: „Die Kinder find die größten Märtyrer." Das äußere Fortkommen der Anstalt war freilich von der christlichen freien Liebeserweisung abhängig. Dennoch war Frau Jolberg im Bitten sehr zurückhaltend. Durch Gebet und die einfache Mittheilung der Verhältnisse in den Berichten erlangte sie stets das Röthige. Die Schwestern erweckten auch das Interesse ihrer Gemeinden für das Mutterhaus. Die unbemittelten Mädchen, und die Mehrzahl gehörte zu denselben, fanden unentgeltliche Aufnahme, Allerdings fetzte Frau Jolberg noch von dem Ihrigen hinzu und Bezahlung für sich selbst nahm sie von der Anstalt nicht, aber es fehlte doch niemals; und die täglich zu speisenden vierzig und mehr Personen fanden ebensowohl ihr tägliches Brot, als die andern Erfordernisse gedeckt wurden. Wenn aber Frau Jolberg auf ihren Reisen und im Verkehr von der Anstalt redete, dann öffneten sich unwillkürlich Herzen und Hände für das Werk; Kreuzervereine entstanden hin und her, und in manchen Schulen fand man Beutelchen aufgehängt, in welche die Kinder ihre kleinen Ersparnisse legten. Die wunderbaren Aushilfen, welche ihr in den Zeiten der größten äußeren Bedrängniß so oft zu Theil wurden, erinnern ganz an A. H, Franke und seine Erfahrungen mit dem Halleschen Waisenhause.