Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 28 (1872)
- Issue
- 9-10 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS Umgegend nahm daran Theil, und die bei denselben empfangenen Eindrücke waren für manche Jungfrau der Anlaß, um Aufnahme in das HauS und Werk zu bitten. Am Meisten aber gewann Frau Jolberg selbst die Herzen. Mit gewinnender Freundlichkeit zog sie unwillkürlich Hoch und Niedrig an, und aus dem Schatze ihres Herzens und ihres guten Gedächtnisses hatte sie stets anziehende und lehrreiche Mittheilungen aus den verschiedensten Lebensgebieten zu machen. Besonders bei Tische wußte sie durch einen natürlichen und geheiligten Humor Heiterkeit zu verbreiten und das geringste Mahl dadurch zu würzen - durch ein einziges Wort, einen Scherz konnte sie ein weinendes Kind in ein lachendes verwandeln. In ihrem ganzen Wesen war überdem eine eigenthümliche Mischung von Festigkeit und Milde. Dem fröhlich gedeihenden Werke drohte mit einem Male der Sturm des Jahres 1848 ein Ende zu machen. Die Eltern, vom Geist der Zeit angesteckt, hielten vielfach ihre Kinder zurück; die Kinder, welche noch kamen, bewiesen umsomehr Gleichgültigkeit oder Ungehorsam. Besonders an den Montagen zeigte sich an den Kindern ein unbändiges Wesen, denn am Sonntage waren sie sich ganz überlassen geblieben. Frau Jolberg richtete daher kleine Sonntagsfeiern liturgischer Art ein, „Sonntagskirchlein" genannt, und spürte einen so heilsamen Einfluß von denselben, daß sie an ihrer Verbreitung durch ihre Lehrerinnen auch an andern Orten arbeitete. Im Revolutionsjahre selbst aber wurde bald aller Halt beseitigt. Nur die Lehrerinnen in der Anstalt blieben treu, und immer neue Mädchen wurden angemeldet. Merkwürdigerweise ging auch die Einrichtung neuer Schulen trotz der Stürme des Jahres weiter. Aber in Leutesheim begannen böse Zeiten. Die Revolution hatte bekanntlich in Baden ihren Hauptheerd gefunden und drang selbst bis in dies kleine Dorf hinein. Man stellte sich den Schwestern in den Weg, als sie in der Charwoche mit den Kindern die Kirche besuchen wollten, und während einer Reise der Frau Jolberg wollte man sie sogar vertreiben. Im Mai 1849 machte man damit Ernst. Alle Auswärtigen, gebot der Bürgermeister, sollten von dannen; Frau Jolberg beschloß mit Allen zu gehn. Als sie mit ihrer Schaar auf-